Prokrastination am Nähtisch

Heute näh ich… doch nicht

„Ich näh‘ mir eine Jeansjacke!“, habe ich laut vor circa anderthalb Monaten getönt. Ich hatte alle Materialien bereit, vom extra starken Nähgarn über die Jeansnadel bis zum Stoff. Auch das Schnittmuster lag parat- ein Papierschnitt von burda Young, der als einfach ausgewiesen war. Die flat felled Seams, die für das Modell vonnöten sind, hatte ich bereits bei der „Rosa“-Bluse  von Tilly and the Buttons geübt. Also alles startklar für eine neue Herausforderung – dachte ich. Haha. Falsch gedacht. Denn bis heute ist nix passiert.

burda young 7018 nähen
Das Schnittmuster für meine geplante Jacke. Erkennt noch wer GNTM-Barbara auf den Fotos?

Ich habe das Anfangen immer wieder und immer weiter aufgeschoben – Prokrastination am Nähtisch! Die Aufschieberitis hatte ich zuletzt zu Beginn meines Studiums. Aber bei meinem Lieblingshobby? Normalerweise nähe ich doch so gerne und vergesse dabei alles um mich herum.

Gründe für Näh-Prokrastination

Woran liegts? Ich merke, dass ich mir mit der Challenge vielleicht zu viel zugemutet habe. Ich habe Angst, an meiner selbst gestellten Aufgabe komplett zu versagen. Das liegt an drei Faktoren:

Erstens. Ich habe Schiss vor dem Modell. Ich habe erst einmal nach einer Burda-Anleitung genäht und das war eine Katastrophe. Nichts saß so, wie es sollte. Auch andere Menschen schimpfen hier und da über die Schnitte – das verunsichert mich! Und warum besteht der Schnitt aus einem Ober- und einem Unterärmel? Noch bevor ich überhaupt angefangen habe, denke ich, dass es eh nix werden kann. Keine guten Voraussetzungen für ein schönes DIY-Projekt!

Zweitens: Zudem wird es das erste Schnittmuster, bei dem ich weiß, dass ich Änderungen vornehmen muss, damit die Jacke an mir gut aussieht. Ich habe schmale Schultern und wenn die Ärmel nicht überschnitten aussehen sollen, nützt es nichts – ich muss an der Passform herumspielen. Auch davor habe ich mich bisher erfolgreich gedrückt (auch wenn ich zugeben muss, dass es manchen Teilen gut getan hätte, wenn ich sie angepasst hätte).

Angstfaktor Nummer 3: Jeans. Ich habe noch nie mit Jeans genäht. Zudem habe ich mir ziemlich dicken und schweren Stoff ausgesucht. Was, wenn die Nadeln brechen, der extradicke Faden reißt, meine uralt Singer-Nähmaschine den Geist aufgibt?

Eine gescheite Lösung für diese Probleme gibts nicht. Ich kann mir nur klarmachen, dass nichts schlimmes passiert, wenn ich es nicht schaffe, meine Jeansjacke zu nähen – außer, dass ich Material im Wert von einigen Euro verhunze. Vielleicht zeigt sich dabei, dass mein Nähniveau doch nicht so hoch ist, wie ich dachte – aber auch das ist nicht schlimm, denn das eine oder andere lerne ich selbst bei komplett versauten Projekten noch.

Durchatmen. Und anfangen.
Schulterteile kürzen
Schulterpartie kürzen
Hier hab ich die Schulterpartie gekürzt. Schön geht anders – aber es funktioniert.

Also hilft nur anfangen. Das habe ich gemacht – und bin fertig mit dem Zuschneiden! Die Schulterpartien der Schnittmusterteile habe ich um 2 cm gekürzt. Dabei habe ich so lange rumgepfuscht, bis es funktioniert hat: In die abgepausten Teile einen Schnitt gemacht und die überlappenden Kanten aufeinander geklebt. Funktioniert in etwa wie ein Abnäher – sieht nur nicht so schön aus!

Jeansjacke nähen
So eine Jeansjacke hat ganz schön viele Teile!

Ich bin jedenfalls froh, dass ich die ersten Schritte gemacht hab und bin gespannt, wie es weitergeht!

Habt ihr auch Projekte, vor denen ihr richtig Bammel habt? Bei denen ihr euch gar nicht erst traut, anzufangen? Was macht ihr, um euch zu motivieren?

 

Schnitt: Burda young 7018

Stoff: 1,4 m Denim von Stoffe Zanders in Mönchengladbach

 

 

 

 

 

3 Antworten auf „Prokrastination am Nähtisch“

  1. Sorry, wenn ich hier klugscheißer, aaaaber …
    Die Passe hast du verkehrt angenäht- rechtes und linkesTeil verwechselt. Das was dich oben am Armloch stutzig macht, ist eigentlich der Halsausschnitt!
    Das was an deinem Paperschnittmuster der Passe zwischen den roten Zahlen 5 und 7 ist, das ist der Halsausschnitt! Das gehört in die Mitte, nicht auf die Seite des Armlochs. Und in den Halsausschnitt gehört der Kragen.

    Vermutlich hast du dann auch die rückwärtige Passe falsch herum an den Stoffbruch gelegt?

    Der schlechte Sitz liegt nicht an Burda 😉

  2. Danke für deinen Hinweis 🙂 manchmal sieht man seine Fehler einfach selbst nicht! Und ich bin froh, dass man es mir sagt und ich das Projekt dann doch noch retten kann 😉

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