Die unperfekte blaue Bluse

Bluse McCalls M7094
Mein Beitrag für #12coloursofhandmadefashion
McCall’s is calling

Als Selmin die Farbe für die aktuelle #12coloursofhandmadefashion-Challenge bekannt gab, musste ich schmunzeln. Schließlich hatte ich gerade erst in zwei sehr schöne Stoffe investiert, die beide zufälligerweise blau waren. Ich hatte also die Wahl: blauer Strickjersey oder blaue Viskose? Nach meinem Dilemma mit der geblümten Viskose entschied ich mich für einen mutigen zweiten Versuch.

Auch das Schnittmuster war schnell gefunden. Während meines spontanen England-Trips im letzten Monat sind mir gleich drei aktuelle Näh-Zeitschriften in die Hände gefallen, die jede Menge Schnittmuster als Extras enthielten und mein Herz vor Freude hüpfen ließen. Der Schnitt für die Bluse mit dem klangvollen Namen M7094 von McCall’s hatte es mir besonders angetan.

Näh-Zeitschriften aus England
So sehen die England-Souvenirs einer Nähbegeisterten aus.
Some like it red

Ich habe viele, viele, viele blaue Kleidungsstücke. Deshalb wollte ich mich bei diesem Projekt ein kleines bisschen aus meiner Komfortzone herauswagen – und entschied mich, dem Ausschnitt einen roten Farbtupfer zu geben. Hui, rot, diese gefährliche Farbe! So auffällig, trage ich sonst fast nie. Allerdings hatte ich auch nicht mehr genug Stoff, um den Ausschnitt aus dem gleichen Stoff zu nähen, also war das Rot beschlossene Sache und irgendwo in der Stoff-Sammlung lag sogar noch rote Viskose, wie praktisch.

Ungewollter Oversize-Look

Als braves Näh-Mädchen, das inzwischen dazugelernt hat, habe ich mir die Anleitung vorher ganz genau durchgelesen. Was ich allerdings nicht getan habe, und was eine echte Hilfe hätte sein können, wäre, mir vorher auf verschiedenen Blogs Erfahrungsberichte über den Schnitt durchzulesen. Hätte ich das getan, so wäre ich beim Zuschnitt klüger gewesen. Viele Näherinnen beklagten nämlich, dass die Bluse verdammt groß ausfalle. Und auch ich habe mich gewundert, dass ich mit meinem Maßen Größe M ausschneiden sollte. Aber ich hatte schon viel zu oft gelesen, dass die Größe eines Schnittmusters oft überhaupt nichts mit der Kaufgröße zu tun haben muss. Tja, dieses Mal habe ich falsch gedacht. Nach dem Zuschnitt wunderte ich mich zwar, wie riesig das Vorderteil aussah, aber ich dachte, die verschiedenen Falten würden es schon richten. Nix da! Bei der ersten Anprobe saß die Bluse wie ein Zelt. Ich habe an den Seiten sicher jeweils 5 cm abgenommen, bis es besser saß. Auch die Ärmel habe ich enger gemacht.

Eckigen Ausschnitt nähen

Im Love Sewing Mag, in dem das Schnittmuster enthalten war, stand, dass die größte Schwierigkeit der Bluse im akuraten Zuschneiden des Kragen besteht. Ich fand das ziemlich einfach – Nadel wenden, Kanten abschneiden, vernünftig wenden, bügeln, fertig. Probleme bereitet hat mir das gleichmäßige Festnähen des oberen Teils… das muss ich wohl nochmal aufmachen und neu nähen, weil die Ecken zwar schön eckig, aber nicht gleichmäßig geworden sind.

Auch der untere Teil des Ausschnitts hat mir Schwierigkeiten bereitet. Man legt die beiden Seiten aufeinander – und dann? Muss der Stoff irgendwie in dem Ausschnitt-Loch vernäht werden. In diesem Schritt kam ich mit der Anleitung (die ich übrigens für Näh-Fortgeschrittene ansonsten gut verständlich fand) nicht zurecht. Ich wusste nicht, wo ich nähen soll, ohne dass man unschöne Nähte sieht und hatte das Gefühl, ich schummele mich da nur so durch. Ich finde, das sieht man auch an der fertigen Bluse – der Stoff steht da ab, wo er nicht abstehen soll.

Bluse McCalls

Hier sieht man, dass der Ausschnitt nicht ganz so geworden ist, wie er sollte.

Die Hinteransicht der Bluse – und ich stelle fest, dass meine Haare durch die Sonne schon ganz schön aufgehellt sind.
Das Resultat

Um ehrlich zu sein, musste ich mich mit dem Endergebnis erst anfreunden. Ich finde, von hinten fällt die Bluse total schön. Vorne hingegen sitzt sie durch die ganzen Falten( die leider nicht gleichmäßig geworden sind) und Details sehr bauschig. Die Schulternpartie hätte ich kürzen müssen. Auch das rot am Ausschnitt ist mir zu gewagt – ich kann mich in der Bluse am Strand sehen, aber nicht im Büro, dafür hat sie für mich zu viel Hippie-Stil, und das mehr, als ich wollte. Das liegt auch an der Weite – obwohl ich sie sehr viel enger gemacht habe, fällt die Bluse noch sehr, sehr locker und ich bin mir nicht sicher, wie mir das gefällt.

Detail-verliebt.

Was ich allerdings sehr liebe, sind die Ärmel-Details! Ich hatte zuvor noch keine Knöpfe zum Hochkrempeln angenäht, dabei war das sehr einfach. Und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Was mir allerdings Kopfzerbrechen bereitet: Wie heißt dieses Ding, das meinen hochgekrempelten Ärmel hochhält? Ein Riegel? Ich habe schon gegoogelt, nichts gefunden, und ich schäme mich, dass ausgerechnet mir (Literaturwissenschaftlerin, Texterin, Besserwisserin) dieses Wort nicht einfällt. Könnt ihr mir weiterhelfen?

Habt Ihr auch Erfahrung mit diesem Schnittmuster? Seid ihr mit der Passform zufrieden? Ich bin gespannt auf eure Kommentare 🙂

 

Schnitt: McCalls M7094 in Größe M

Stoff: 1, 5 m Viskose von Online Stoffe Werning

und 0, 3 m rote Viskose aus meiner Sammlung

 

 

Verlinkt bei:

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sowie beim 

und bei Vermurkst und Zugenäht 

 

 

 

 

Mimi mit Bubi

Mimi-Bluse mit Kragenvariation

 

Bluse Mimi Tilly and the Buttons
Auch hier habe ich innen nicht versäubert. Wenn Ichs trage, sieht man’s eh nicht.

Endlich, endlich ist meine zweite „Mimi“-Bluse von Tilly and the Buttons fertig! Und es ist ein Pattern Hack: Hier schrieb ich ja bereits darüber, dass ich den Kragen mit mehr Fudeln als tatsächlichem Können angepasst habe. Da besteht definitiv noch Lernbedarf… Aber geklappt hat es trotzdem! Zwar musste ich den gesamten Kragen mitsamt Beleg wieder auftrennen, weil die Teile aus unerfindlichen Gründen nicht genau gepasst haben und die Halbmond-Teile des Bubi-Kragens komplett neu zuschneiden, weil sie irgendwie nicht 100%ig gleich groß waren, und jetzt hat mein schöner hellblauer, aber sehr empfindlicher Stoff jede Menge Nadellöcher, aber was solls. Darf halt keiner mit der Lupe rangehen. Ich bin trotzdem happy.

Inzwischen werde ich immer besser darin, Knopflöcher zu nähen! Ich male die Markierungen mit Zauberstift vor und trenne danach nicht in der Mitte auf, sondern schneide alles vorsichtig mit einem Cuttermesser auf.

Der Stoff fällt sehr gut! Besonders die Falte an den Ärmeln ist sehr schön definiert. Leider, leider knittert das Gewebe aber unheimlich schnell – wie schade, dass ich überhaupt nicht gerne bügel…

Vintage-Knöpfe
Vintage Knöpfe Bluse Mimi
Mein roter Nagellack passt perfekt, oder?

Neben dem Bubi-Kragen gefallen mir besonders die Knöpfe sehr gut! Die habe ich bereits letztes Jahr auf dem Radschläger-Flohmarkt in Düsseldorf gekauft. Sie glitzerten einfach so schön, dass ich sie unbedingt haben musste! Aber weil die Farbe Grün sonst nie Bestandteil meiner Garderobe ist, hat es etwas gedauert, ehe das richtige Projekt zum Vernähen an meiner Nähmaschine lag. Jetzt war es endlich so weit.

Warum Vintage?

Beim Lesen dieses Blogs ist euch vielleicht schon aufgefallen, dass ich unheimlich gern mit Vintage-Materialien nähe. Ich habe sogar ein Näh-Kästchen aus den 70ern mit Original-Garnen, Fingerhüten, Nadeln und Kopierrädchen, das ich sehr gern benutze! Aber warum so viel altes Zeug? Das hat erstens den Grund, dass ich ein absoluter Sparfuchs bin und sich beim Stoffe-Stöbern bei Dawanda oder bei Ebay zum Teil richtige Schnäppchen machen lassen (außerdem ist da noch der Überraschungeffekt beim Auspacken der Päckchen, ob die Stoff-Qualität tatsächlich den Erwartungen entspricht. Spannend!). Zweitens mag ich natürlich den ganzen Unikat-Aspekt beim Nähen! Ich will Sachen schneidern, die sonst keiner hat. Und selbst, wenn viele sich für den selben Schnitt entscheiden, minimiere ich mit Vintage-Stoffen die Verwechslungs-Gefahr. Der dritte Grund: Ich liebe Geschichten! Bei den Knöpfen, die die alte Frau auf dem Flohmarkt verkauft hat, frage ich mich zum Beispiel, ob sie die von einer Bluse, mit der sie früher gern tanzen gegangen ist, abgeschnitten hat und nun verkauft. Oder ob sie selbst viel genäht hat, früher, aber jetzt lassen die Augen nach und sie muss ihr Hobby aufgeben? Oder ihr Materiallager platzt nach all den Jahren aus allen Nähten, so dass sie was abgeben muss? Die Vergangenheit der Sachen regt meine Fantasie an und das Gefühl, die Geschichte der Dinge geht jetzt weiter, weil ich sie benutze, finde ich sehr schön.

Mimi Bluse Pattern Hack
Mimi macht es sich auf dem Sofa bequem.

 

Mimi Bluse Pattern Hack

Schnitt: Bluse „Mimi“ aus Tilly Walnes: Liebe auf den ersten Stich , gepaart mit Bubi-Kragen aus Ein Schnitt – zehn Kleider von Laura Hertel

Stoff: 2 m türkisfarbenes Mischgewebe von Karstadt

 

Verlinkt beim MemadeMittwoch