Vintage-Style Rock nähen für die #12coloursofhandmadefashion

Wau, wie schön: Für die #12coloursofhandmadefashion-Challenge entschied ich mich, einen Vintage-Style Rock zu nähen, und zwar aus einem wildgemusterten Hunde-Stoff!

Freebook Rock nähen
Mimimi, mein Rock hat Falten!
Violette Zweifel und die Qual der Wahl

„Lila? Im Ernst?“ Das waren die ersten Gedanken, die mir bei der Bekanntgabe der August-Farbe von Selmins #12ColoursofHandmadeFashion-Challenge in den Sinn kamen. Ich habe ernsthaft erwogen, diesen Monat einfach ausfallen zu lassen. Denn ich besitze kein einziges lilafarbenes Kleidungsstück – mit Ausnahme des wunderbaren Kleids „Augenweide“, das ich in fuchsia genäht habe, aber das gute Stück wartet auch noch auf seinen großen Auftritt, und einem lila Unterhemd. Aus lila bin ich eigentlich rausgewachsen. Das war die Farbe, die ich vor über zehn Jahren trug, als T-Shirt und Tuch zu Jeans und Chucks. Aber heute nicht mehr. Dachte ich.

Aber zum Glück erlauben die Regeln der Challenge ja nicht nur unifarbene Projekte, auch Details in der Farbe gelten. Also entschied ich mich für einen absolut wild gemusterten Stoff, den ich vor einigen Wochen gekauft hatte. Ein Stoff mit Hunde-Print!

Baumwolle Hunde Print
Ein Teil des Musters im Detail.

 

Stoff rosa Hund
Hier tummeln sich Dackel, französische Bulldoggen und Pudel mit fragwürdigen Frisuren.
 Nähen außerhalb der Komfort-Zone

Den Baumwollstoff fand ich zwar wirklich großartig, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie das Muster und die Pastell-Farben als Kleidungsstück wirken. Deshalb bin ich Selmin ziemlich dankbar: Die Challenge hat mir einen Ruck gegeben, mich aus meiner Komfortzone zu bewegen! Ich habe mich nicht nur an das wilde Muster getraut, sondern auch noch einen Schnitt gewählt, den ich sonst nicht anziehen würde. Ich entschied mich für ein Freebie vom Peppermint Mag, einen Rock mit Falten – und einem hohen Bund!

Vintage-Style Rock nähen

Und mit dieser Wahl bin ich mehr als zufrieden! Schon als ich die ersten Teile zuschnitt, wusste ich, das wird richtig, richtig gut. Das Schnittmuster war leicht zu verstehen und detailliert erklärt. Das Falten legen hat sehr gut geklappt. Ich habe insgesamt zwei klitzekleine Änderungen vorgenommen: Anstatt das Vorderteil des Rocks aus zwei Teilen zusammenzunähen, habe ich es (abzüglich der vorderen Nahtzugabe) in den Bruch gelegt. Eine Naht mitten in der Mitte hätte mir nicht gefallen. Als zweites sieht die Anleitung ein Saumband vor. Das habe ich weggelassen und den Saum einfach doppelt eingeschlagen und dann abgesteppt.

Vintage-Style Rock nähen
Hier gilt: Tschüß Anti-Age, hallo Falten!
Rock mit Falten nähen
Huch, ich hab Falten am Po! Und einen (nicht ganz perfekten, aber ich bin zufrieden mit dem Fortschritt) nahtverdeckten Reißverschluss. Den habe ich übrigens mühselig aus einem alten Kleid herausgetrennt.
Rock mit großen Taschen

Was mir an diesem Schnitt am meisten gefällt: Durch den Sitz in der Taille macht er eine sehr schöne Silhouette! Der Bund sitzt viel besser am Körper an, als es z.B. bei meinem Clémence-Rock der Fall ist. Ich bin froh, etwas Neues ausprobiert zu haben! Was mir am zweitbesten gefällt: Die Taschen! Die sind einfach riesig. Da passen Hände hinein, Taschentücher, Hundeleckerlis, Schlüssel und sogar mein Handy. Ich finde, Taschen sind ein unverzichtbares Detail! Für den Taschenbeutel habe ich  quietschgelbe Baumwolle gewählt; ein Reststück, von dem ich dachte, dass ich es nie wieder benutzen würde.

Vintage-Style Rock nähen
Hier kann man die riesigen Taschen mit dem gelben Taschenbeutel erkennen.
Was passt zum 50er Jahre-Rock?

Als mein wunderbarer Rock fertig genäht war, und das ging relativ fix, und ich ihn anprobierte, stellte sich die dringende Frage: Was ziehe ich dazu an? Meine erste Idee, ein weißes T-Shirt, musste ich verwerfen, da das Ganze nach 80er Jahre Tennis-Dress aussah. Das lilafarbene Unterhemd passte auch nicht, also entschied ich mich für grau. Leider besaß ich kein graues Shirt. Nach kurzer Internet-Recherche und Suche in den Kleiderschränken meiner Geschwister hielt ich das kostenlose Schnittmuster für das Kirsten Kimono Tee von Maria Denmark sowie zwei riesengroße ungeliebte graue T-Shirts in den Händen.

Diesen Trend habe ich verpasst – schon vor ein paar Jahren geisterten unzählige Versionen des Kimonoshirts auf den DIY-Blogs herum. Mein T-Shirt ist nicht perfekt geworden, aber ich freue mich, dass das Upcycling so gut geklappt hat. Außerdem macht sich das Kimono Tee sehr gut zu meinem Vintage-Style Rock!

50er Jahre Rock nähen
Sogar die Schuhe passen.
Kimono Tee kombinieren
Grund zum Grinsen: ein DIY-Outfit.
Vintage-Style Rock nähen
Mein Hund schaut sich ganz verwundert die vielen Hunde auf dem Rock an.

 

Wie gefällt euch mein Outfit? Habt ihr den Vintage-Style Rock auch schon einmal genäht? Oder das Kirsten Kimono Tee? Ich bin gespannt auf eure Kommentare – und auf die tollen Kreationen der anderen #12coloursofhandmadefashion-Näher!

 

Schnitt: Vintage-Style Skirt, kostenloses Schnittmuster vom Peppermint Magazine

Stoff: 1,5 m Baumwolle mit Hunde-Print von Herr Schneider, Reststück gelbe Baumwolle

 

Verlinkt bei:

12ColoursofHandmadeFashion

Kostenlose Schnittmuster Linkparty

Pleiten, Pech und Blümchen

Wie viele blöde Fehler kann ein Mensch beim Nähen eines Kleides machen? Bestimmt ganz viele. Aber zwei reichen auch, um das Teil erstmal ziemlich zu ruinieren und dann wütend in die Ecke zu werfen. So ging es mir bei  meinem neuen Blumenkleid. Dies hier wird ein Beitrag übers Scheitern und Wiederaufstehen.

Ein Traumkleid aus Vintage-Viskose

Dabei fing alles so gut an: Ich entdeckte die wunderschöne Vintage-Viskose bei DaWanda, und da mich das Millefleur-Muster so sehr an die Liberty of London-Prints erinnerte, habe ich den Stoff glückselig in den Einkaufswagen gelegt und mir schon beim Bestellvorgang überlegt, was für wunderbare, fließende Kleider ich damit nähen könnte.

Viskose Blümchen Millefleur
Das wunderbare Muster im Detail.

Und dann kam der Stoff an und er war weich und leicht und fühlte sich so toll an, dass ich es gar nicht abwarten konnte, mit dem Nähen loszulegen! Inzwischen hatte ich mich auch für einen Schnitt entschieden, ein Kleid aus „Ein Schnitt, zehn Kleider“, das mit Reißverschluss geschlossen wird. Nach dem Dirndlrock Clémence hatte ich schließlich keine Angst mehr vor Reißverschlüssen, dachte ich. Aber das sollte sich als Irrtum herausstellen.

DIY Kopierfolie

Da ich erst vor kurzem umgezogen bin und noch nicht alles ausgepackt habe, hatte ich leider nicht alle Nähsachen parat. Kopierpapier und Co lagen selbstverständlich in einem der vielen Kartons, an die ich nicht ohne weiteres herankam. So musste ich improvisieren. Für das Abpausen des Schnittmusters griff ich also auf einen Trick zurück, den meine Schwester immer nutzt: günstige, halbtransparente blaue Säcke. Einfach an der langen und kurzen Seite aufschneiden und fertig ist die Kopierfolie. Roch zugegebenermaßen etwas nach Plastik, aber wer Nähen will, muss leiden, oder nicht?

Ich habe direkt auf der Folie mit zwei zusammengebundenen Filzstiften die Nahtzugabe aufgemalt, alles grob zugeschnitten, auf dem Stoff befestigt und dann ordentlich zugeschnitten. Da habe ich bereits bemerkt, wie rutschig mein wunderbarerer Stoff ist, aber trotzdem hat da noch alles ganz gut geklappt. Noch…

Mit der Overlock in den Stoff geschnitten

Die Entscheidung, die dann folgte, stellte sich als großer Fehler heraus. Mitten im Nährausch beschloss ich, meine Overlockmaschine zu benutzen, mit der ich zuzugebenermaßen noch nicht die allergrößte Erfahrung habe. Aber ich hatte Lust auf schnelle Erfolge und hübsche Nähte und zunächst lief auch alles nach Plan – bis ich das Oberteil an den Rock nähen wollte. Eine Sekunde nicht aufgepasst, den Stoff nicht richtig unter das Füsschen gezuppelt, etwas zu stark aufs Gaspedal gedrückt – zack, da war es schon passiert. Ein Loch in meinem schönen Stoff. Das Messer hat nicht nur brav die Nahtzugabe abgetrennt, sondern auch einen Teil meines Rock-Vorderteils. Natürlich war nicht mehr genug Stoff vorhanden, um das Unterteil neu zuzuschneiden. Ich hätte heulen können.

Nachdem meine Schnappatmung sich wieder beruhigte, versuchte ich es mit Schadensbegrenzung. Also den Schnitt sorgsam zugenäht, in der Hoffnung, dass diese klitzekleine Naht inmitten der ganzen Blumen nicht auffällt (Spoiler: Sie fällt auf).

Vertuschen bringt nix: Immer noch gut zu sehen, der Riesen-Fehler.

Aber ich war hochmotiviert, das Ding zu retten. Ich wollte mir beweisen, dass ich nicht aufgebe und freute mich schon so auf das Tragen des Kleides. Sicherheitshalber stellte ich die Overlock beiseite und nutzte fortan nur noch meine normale Nähmaschine. Mit Erfolg. Bis ich zum Reissverschluss kam.

Der hässlichste Reißverschluss aller Zeiten

Mein Fehler: Ich habe die Nahtzugaben nicht auseinander gebügelt. Ja, ich hätte es tun sollen, aber das Bügeleisen lag im Karton ganz unten. Trotzdem, dachte ich, hatte ich den Reißverschluss gerade darauf befestigt. Aber das war wohl ein Fehlschluss – oder aber der Stoff ist trotz vieler Nadeln unfassbar verrutscht. Es bildeten sich Wülste, wo er hätte gerade liegen sollen, an einer Stelle klemmte der Reißverschluss sogar – keine Ahnung, wie ich es hinbekommen habe, etwas so dermaßen verhunztes und hässliches zu produzieren. Aber es war passiert und meine Frustration war sehr, sehr groß. Zwei Riesen-Fehler in einem Projekt.

I present you, not proudly at all, worst work ever.
Reißverschluss einnähen bei rutschigen Stoffen

Drei Tage lag das Kleid in der Ecke, ehe ich mich an die Fehlerbehebung traute. In einer ruhigen Stunde (wortwörtlich!) trennte ich den Reissverschluss wieder auf. Dann lieh ich mir das Bügeleisen meiner Oma, ein uraltes Ding ohne Schnickschnack, das allerdings plättet wie nix! Damit wurden die Nahtzugaben erst einmal schön gebügelt. Im Internet hatte ich diverse Tipps gelesen von Sprühstärke bis hin zum untergelegten Seidenpapier (was ich versucht habe und dann rutschte mir das Papier weg, auch keine gute Idee) und der vernünftigste Ratschlag erschien mir doch das Verstärken mit Bügeleinlage zu sein. Also habe ich zwei dünne Streifen ausgeschnitten, aufgebügelt, den Reissverschluss mit 1001 Nadeln festgesteckt, tief durchgeatmet und losgenäht.

Hier habe ich den dünnen Vlieseline-Streifen befestigt. Ja, ich weiß, der Bügelbrett-Bezug ist ultra hässlich!
Drama mit Happy End

Was soll ich sagen? Es ist nicht der allerschönste Reißverschluss aller Zeiten geworden. Aber es hat geklappt. Beim ersten Anlauf sogar. Und ich war unfassbar erleichtert. Danach war das Säumen ein Klacks – und bei der Anprobe störte mich sogar die Reparaturnaht am Rockteil nicht mehr.

Ich freu mich schon, das Kleid das nächste Mal anzuziehen. Ich finde, es ist genau das passende Outfit zum Oma-Geburtstag am Freitag 🙂

Was macht ihr, wenn euch beim Nähen solche groben Fehler passieren? Haut ihr alles in die Tonne oder versucht ihr zu retten, was zu retten ist?

Schnitt: Lehrerinnenkleid „Stephanie“ (ohne Kragen) aus Ein Schnitt – zehn Kleider von Laura Hertel

Stoff: 1,50 m Vintage-Viskose vom DaWanda-Shop Suchen und Finden 

 

Verlinkt beim MeMadeMittwoch