Pleiten, Pech und Blümchen

Wie viele blöde Fehler kann ein Mensch beim Nähen eines Kleides machen? Bestimmt ganz viele. Aber zwei reichen auch, um das Teil erstmal ziemlich zu ruinieren und dann wütend in die Ecke zu werfen. So ging es mir bei  meinem neuen Blumenkleid. Dies hier wird ein Beitrag übers Scheitern und Wiederaufstehen.

Ein Traumkleid aus Vintage-Viskose

Dabei fing alles so gut an: Ich entdeckte die wunderschöne Vintage-Viskose bei DaWanda, und da mich das Millefleur-Muster so sehr an die Liberty of London-Prints erinnerte, habe ich den Stoff glückselig in den Einkaufswagen gelegt und mir schon beim Bestellvorgang überlegt, was für wunderbare, fließende Kleider ich damit nähen könnte.

Viskose Blümchen Millefleur
Das wunderbare Muster im Detail.

Und dann kam der Stoff an und er war weich und leicht und fühlte sich so toll an, dass ich es gar nicht abwarten konnte, mit dem Nähen loszulegen! Inzwischen hatte ich mich auch für einen Schnitt entschieden, ein Kleid aus „Ein Schnitt, zehn Kleider“, das mit Reißverschluss geschlossen wird. Nach dem Dirndlrock Clémence hatte ich schließlich keine Angst mehr vor Reißverschlüssen, dachte ich. Aber das sollte sich als Irrtum herausstellen.

DIY Kopierfolie

Da ich erst vor kurzem umgezogen bin und noch nicht alles ausgepackt habe, hatte ich leider nicht alle Nähsachen parat. Kopierpapier und Co lagen selbstverständlich in einem der vielen Kartons, an die ich nicht ohne weiteres herankam. So musste ich improvisieren. Für das Abpausen des Schnittmusters griff ich also auf einen Trick zurück, den meine Schwester immer nutzt: günstige, halbtransparente blaue Säcke. Einfach an der langen und kurzen Seite aufschneiden und fertig ist die Kopierfolie. Roch zugegebenermaßen etwas nach Plastik, aber wer Nähen will, muss leiden, oder nicht?

Ich habe direkt auf der Folie mit zwei zusammengebundenen Filzstiften die Nahtzugabe aufgemalt, alles grob zugeschnitten, auf dem Stoff befestigt und dann ordentlich zugeschnitten. Da habe ich bereits bemerkt, wie rutschig mein wunderbarerer Stoff ist, aber trotzdem hat da noch alles ganz gut geklappt. Noch…

Mit der Overlock in den Stoff geschnitten

Die Entscheidung, die dann folgte, stellte sich als großer Fehler heraus. Mitten im Nährausch beschloss ich, meine Overlockmaschine zu benutzen, mit der ich zuzugebenermaßen noch nicht die allergrößte Erfahrung habe. Aber ich hatte Lust auf schnelle Erfolge und hübsche Nähte und zunächst lief auch alles nach Plan – bis ich das Oberteil an den Rock nähen wollte. Eine Sekunde nicht aufgepasst, den Stoff nicht richtig unter das Füsschen gezuppelt, etwas zu stark aufs Gaspedal gedrückt – zack, da war es schon passiert. Ein Loch in meinem schönen Stoff. Das Messer hat nicht nur brav die Nahtzugabe abgetrennt, sondern auch einen Teil meines Rock-Vorderteils. Natürlich war nicht mehr genug Stoff vorhanden, um das Unterteil neu zuzuschneiden. Ich hätte heulen können.

Nachdem meine Schnappatmung sich wieder beruhigte, versuchte ich es mit Schadensbegrenzung. Also den Schnitt sorgsam zugenäht, in der Hoffnung, dass diese klitzekleine Naht inmitten der ganzen Blumen nicht auffällt (Spoiler: Sie fällt auf).

Vertuschen bringt nix: Immer noch gut zu sehen, der Riesen-Fehler.

Aber ich war hochmotiviert, das Ding zu retten. Ich wollte mir beweisen, dass ich nicht aufgebe und freute mich schon so auf das Tragen des Kleides. Sicherheitshalber stellte ich die Overlock beiseite und nutzte fortan nur noch meine normale Nähmaschine. Mit Erfolg. Bis ich zum Reissverschluss kam.

Der hässlichste Reißverschluss aller Zeiten

Mein Fehler: Ich habe die Nahtzugaben nicht auseinander gebügelt. Ja, ich hätte es tun sollen, aber das Bügeleisen lag im Karton ganz unten. Trotzdem, dachte ich, hatte ich den Reißverschluss gerade darauf befestigt. Aber das war wohl ein Fehlschluss – oder aber der Stoff ist trotz vieler Nadeln unfassbar verrutscht. Es bildeten sich Wülste, wo er hätte gerade liegen sollen, an einer Stelle klemmte der Reißverschluss sogar – keine Ahnung, wie ich es hinbekommen habe, etwas so dermaßen verhunztes und hässliches zu produzieren. Aber es war passiert und meine Frustration war sehr, sehr groß. Zwei Riesen-Fehler in einem Projekt.

I present you, not proudly at all, worst work ever.
Reißverschluss einnähen bei rutschigen Stoffen

Drei Tage lag das Kleid in der Ecke, ehe ich mich an die Fehlerbehebung traute. In einer ruhigen Stunde (wortwörtlich!) trennte ich den Reissverschluss wieder auf. Dann lieh ich mir das Bügeleisen meiner Oma, ein uraltes Ding ohne Schnickschnack, das allerdings plättet wie nix! Damit wurden die Nahtzugaben erst einmal schön gebügelt. Im Internet hatte ich diverse Tipps gelesen von Sprühstärke bis hin zum untergelegten Seidenpapier (was ich versucht habe und dann rutschte mir das Papier weg, auch keine gute Idee) und der vernünftigste Ratschlag erschien mir doch das Verstärken mit Bügeleinlage zu sein. Also habe ich zwei dünne Streifen ausgeschnitten, aufgebügelt, den Reissverschluss mit 1001 Nadeln festgesteckt, tief durchgeatmet und losgenäht.

Hier habe ich den dünnen Vlieseline-Streifen befestigt. Ja, ich weiß, der Bügelbrett-Bezug ist ultra hässlich!
Drama mit Happy End

Was soll ich sagen? Es ist nicht der allerschönste Reißverschluss aller Zeiten geworden. Aber es hat geklappt. Beim ersten Anlauf sogar. Und ich war unfassbar erleichtert. Danach war das Säumen ein Klacks – und bei der Anprobe störte mich sogar die Reparaturnaht am Rockteil nicht mehr.

Ich freu mich schon, das Kleid das nächste Mal anzuziehen. Ich finde, es ist genau das passende Outfit zum Oma-Geburtstag am Freitag 🙂

Was macht ihr, wenn euch beim Nähen solche groben Fehler passieren? Haut ihr alles in die Tonne oder versucht ihr zu retten, was zu retten ist?

Schnitt: Lehrerinnenkleid „Stephanie“ (ohne Kragen) aus Ein Schnitt – zehn Kleider von Laura Hertel

Stoff: 1,50 m Vintage-Viskose vom DaWanda-Shop Suchen und Finden 

 

Verlinkt beim MeMadeMittwoch

Ein Tag mit Barbara

Kleid „Barbara“ aus der La Maison Victor

Mein liebster Nähtag ist Sonntag! Da wandere ich direkt nach dem Frühstück mit einer extra großen Tasse Kaffee in mein Arbeitszimmer, und während ich mich stundenlang meinem aktuellen Näh-Projekt widme, vergesse ich alles um mich herum.

An den letzten Sonntagen hieß das aktuelle Projekt „Barbara“. Das finde ich lustig, weil auch die Mutter meines Freundes so heißt. Hier handelt es sich allerdings um ein Kleid aus der aktuellen „La Maison Victor“. Im Vintage-Stil, mit Raffungen, fast knielang, zum Knöpfen. Bereits beim ersten Durchblättern der Zeitschrift hatte ich mich verliebt. Mir war klar, dieses Kleid will ich nähen – in rosa.

La Maison Victor Barbara nähen
Hallo, Babsi!
Stoffwahl

Zunächst schwebte mir ein rosa gepunkteter Stoff von Stoff und Stil vor, aber auf dem Stoffmarkt in Viersen habe ich mich spontan umentschieden. Ein Coupon rosa Blümchen-Baumwolle, 1,80 mal 1,60 Meter für 6 Euro – gekauft. Farblich passendes Garn hatte ich auch noch.

Stoffmarkt Holland Baumwolle rosa
Stoff und Garn liegen bereit!
Die Vorbereitung

Ich wollte also direkt loslegen. Zum Glück habe ich mir die Anleitung vorher nochmal angeschaut – und dabei festgestellt, dass die Nahtzugaben nicht enthalten waren. Oje. Bisher hatte ich Nahtzugaben dann öfter pi mal Daumen mit zugeschnitten, aber dementsprechend auch nur so mittelmäßig schöne Ergebnisse erreicht. Also mal wieder den Akkuratesse-Modus einschalten: Ich habe alle Schnittmuster in meiner Größe mit Kopierpapier kopiert, dann zwei Stifte mit Tesa aneinander geklebt, und dann alles nochmal nachgezogen und dabei gleich 1 cm Nahtzugabe mit eingezeichnet.

Nahtzugabe einzeichnen
Hier wird voll ordentlich gearbeitet.

Genau so ordentlich war ich bei den weiteren Schritten. Schnittmusterteile sehr sorgfältig ausgeschnitten, aufgelegt, umrandet und wieder ausgeschnitten. Alleine die Vorbereitung hat mehrere Stunden gedauert. Ich wundere mich immer, wenn Leute schreiben, sie hätten ganz schnell was genäht – Sorgfalt braucht schließlich Zeit.

La Maison Victor Barbara nähen
Man beachte die Kinder-Bastelschere, die mit ins Bild durfte.
An die Nähte, fertig, los!

Das Nähen ging relativ leicht von der Hand. Das Raffen mit Kräuselfaden habe ich ja bereits bei meiner „Mimi“-Bluse geübt. Beim Festnähen meiner Kräuselung habe ich getrickst und sie einfach kurz mit Tesa festgeklebt. Das hat ganz gut funktioniert.

Herausforderung Halsbeleg

Ich bin davon ausgegangen, dass die Herausforderungen bei „Barbara“ für mich die Ziernähte werden würden. Da lag ich falsch (mit etwas Geduld und rosa Garn, damit Fehler nicht auffallen, ging es ganz gut). Stattdessen hatte ich richtigen Kummer mit dem Halsbeleg. Das Stück für die Hinterseite hat einfach nicht gepasst! Da muss ich bereits beim Abpausen einen Fehler gemacht haben. Nach einigem Hin und Her musste ich einsehen, dass ich das Problem nicht lösen kann – außer mit neu zuschneiden. Dafür habe ich die Breite der Beleg-Vorlage genommen und an Schnittmusterteil für den hinteren Halsausschnitt gelegt, um es in der richtigen Breite und Lange neu schneiden zu können. Danach hat es geklappt.

Auch Fehler zwei fand sich beim Beleg: Ich hatte zwei Teile jeweils nur zwei und nicht vier Mal zugeschnitten. Die Belegteile sollten eigentlich verstürzt werden, bevor sie an den Ausschnitt gesteppt werden. Ich hatte keine Lust, neu zuzuschneiden (und neu Vlieseline aufzubügeln), also habe ich den Beleg links auf rechts an den Ausschnitt genäht, so dass beim Umklappen trotzdem die rechte, schöne Seite zu sehen ist. Da bereits Bügelvlies untergebügelt war, fransen die Belegteile nicht aus.

Näh-Hack: Damit der Beleg nicht zurück klappt

Zum Befestigen des Belegs hat mir meine Schwester einen super Tipp gegeben: Saumband. Ich habe also kleine Stücke an verschiedenen Stellen angebügelt und der Beleg hält wunderbar, ohne wieder in die andere Richtung zu kippen.

Knöpfe werden rollen…

Ich war in drei Geschäften, um mir Knöpfe für „Barbara“ zu kaufen, und bin doch nicht fündig geworden. Mir schwebten kleine, rote Knöpfe vor – aber die, die es zu kaufen gab, waren nicht zu 100% das, was ich wollte, und außerdem zu teuer. Letztlich habe ich bei Ebay kleine, rot glänzende Knöpfe ersteigert. Die waren eigentlich für Puppenkleidung gedacht, aber das macht ja nix. Insgesamt elf Knopflöcher und Knöpfe habe ich angenäht. Puh!

 

Die ganze Arbeit hat sich gelohnt, ich bin sehr stolz auf mein Kleid, habe es zu Ostern bereits getragen und werde es sicher den ganzen Sommer über oft anziehen.

Schnitt: „Barbara“ aus der La Maison Victor 2/2017

Stoff: Baumwolle-Coupon 1,60 x 1,80 m vom Stoffmarkt in Viersen

La Maison Victor Barbara nähen
Barbara wird ausgeführt!
La Maison Victor Barbara nähen
Rücken-Raffungen.

Verlinkt beim Creadienstag:

und bei Handmade on Tuesday

Ausgehfein

Vor Kurzem hatte ich ja schon über den Tshirt-Schnitt auf Maß berichtet, jetzt hab ich daraus gleich mal ein ganzes Kleid gebastelt. Das hab ich natürlich nicht gemacht, weil der mittlerweile abgeänderte Schnitt als doppellagiges Top auf den Hüften wie Pelle saß oder so, nein nein…

rückenfreies Kleid nähen

Das Kleid hat einen High-Neck-Ausschnitt, Prinzessnähte, Taillenband und einen XXL-Rückenausschnitt, den ich mit einem Druckknopf am Halsband verschlossen hab.

Den Schnitt stell ich auch gerne als Freebook zur Verfügung, wenn Interesse besteht.

Verlinkt bei:RUMS

Ankerkleid „Toni“

Selten hab ich so viele Komplimente für ein selbst genähtes Kleidungsstück bekommen wie für meine neue „Toni“ und das obwohl ich quasi nur noch in Eigenkreationen herum laufe. Einziger Mangel: der Ausschnitt wellt sich ein kleines bisschen, da hätte ich mal lieber selbst zum Maßband greifen und nicht die Tabelle aus der Schnittanleitung nehmen sollen.

Toni nähen

Milchmonster Toni nähen

Das Schnittmuster ist meiner Meinung nach ein echter Figurschmeichler und sehr bequem, ich mag es gar nicht mehr ausziehen. Ich hab eine Größe 38 genäht, obwohl laut Maßtabelle [meine Maße: 88-73-99] vermutlich auch eine 36 gepasst hätte, und das Rockteil unten um gut 10cm verlängert, weil ich mit meinen 1,76m ja doch recht groß bin.

Schnittmuster:  Raglankleid Toni von Milchmonster
Stoffverbrauch: 1,70m bei Größe 38 (10cm verlängert)

Und damit geht es jetzt zum allerersten Mal zum Memademittwoch und zu After Work Sewing.