Umziehen.

Ein Hobby nur für mich

Wenn ich nähe, dann versinke ich ganz im Flow-Zustand: Ich kann mich voll und ganz auf meine Schnittteile, Garne, Spulen, Nadeln und Stoffe konzentrieren und nehme nichts mehr von außen wahr – außer das Hörspiel, das dabei läuft (meistens Die drei ??? oder Sherlock Holmes – ich liebe Detektivgeschichten und Krimis). Das ist ungemein entspannend und eine echte Bereicherung, wenn alles andere stressig wird. So wie letzte Woche.

Denn Stück für Stück und Zimmer für Zimmer haben mein Freund und ich unser Leben in Kartons verpackt, 31 an der Zahl, um woanders weiterzuführen. Wir sind umgezogen! Und es war so anstrengend, dass ich mich zwischendurch einfach verzogen habe. Wohin? An meine Nähmaschine natürlich!

Rock Clémence maritim türkis
Möwen, Meer und Schiffe: Rock-Saison ahoi!
Hinten habe ich beim Zuschneiden nicht aufgepasst, aber was solls. Mir gefällts trotzdem!
Rock „Clémence“ von Tilly and the Buttons

Ich nähe mich ja so langsam, aber sicher durch „Liebe auf den ersten Stich“ von Tilly Walnes. Auf meiner To-sew-Liste stand noch der Dirndlrock „Clémence“. Den Stoff dafür hatte ich schon länger liegen: Türkise Baumwolle mit Segelschiff-Rapport. Gerade jetzt passt das maritime Muster richtig, richtig gut – schließlich sind wir zurück in meine Heimat, in den Norden und an die Nordsee gezogen!

Das Schnittmuster besteht nur aus Rechtecken, deren Größe anhand der eigenen Maße variiert. Insgesamt sind es nur 5 Teile und dementsprechend fix war alles zusammengenäht – inklusive französischer Nähte für ein hübsches Innenleben und per Hand angenähtem Bundbeleg, haha! Mehr Zeit zum Nähen hätte ich auch gar nicht gehabt – sonst hätte es sicher Krach gegeben, weil ich nicht beim Packen helfe.

Nicht ganz glücklich bin ich mit dem Rockbund. Er ist sehr steif und obwohl er ja auf meine Maße zugeschnitten ist, steht er leicht ab. Hat da jemand Tipps für mich wie ich das ändern kann oder beim nächsten Mal besser machen?

Reißverschluss einnähen

Bisher habe ich immer Respekt vor Reissverschlüssen gehabt , denn viele meiner Versuche, welche einzunähen, misslangen. Ich komme immer durcheinander, wenn ich den Reißverschluss geöffnet rechts auf rechts stecke, weil er sich unten verdreht. Außerdem sieht man jeden Millimeter Höhenunterschied – so präzise zu arbeiten, fällt mir schwer.

Deshalb hab ich es dieses Mal anders gemacht. Ich habe mich nicht für einen nahtverdeckten, sondern ganz normalen Reißverschluss entschieden. Und nach dieser Anleitung gearbeitet: Erst alles mit normaler Nahtzugabe und großem Stich zugenäht, hübsch zu beiden Seiten gebügelt, Reißverschluss mittig draufgelegt und mit vielen, vielen Nadeln fixiert, dann rechts und links davon gesteppt und die mittlere Naht wieder aufgemacht – und schon beim zweiten Anlauf war ich mit dem Ergebnis zufrieden!

Rock Clemence Tilly and the Buttons
Die Mütze musste noch sein – es ist kalt an der Nordsee!
Rock Clemence Liebe auf den ersten Stich
Und so siehts angezogen von hinten aus.

Ich bin zwar noch nicht sicher, welche Farben (außer weiß) zu dem kräftigem Türkis passen, und obwohl es noch zu kalt ist, den Rock ohne Strumpfhose zu tragen, mag ich ihn jetzt schon sehr! Ich finde es toll, wie er schwingt und wie er im Wind fliegt, der hier immer weht.

Schnitt: Dirndlrock „Clémence“ aus „Liebe auf den ersten Stich“ von Tilly Walnes

Stoff: 1,5 m maritime Baumwolle von eBay

Verlinkt bei  RUMS

Von Ankern, Applikationen und Jersey-Schrägband

In Kiel gab es schon ein Paar wirklich schöne wärmere Tage, daher wird es jetzt trotz wieder eisiger Temperaturen Zeit für die Sommergaderobe. Klassische T-Shirts aus nur einem Stoff hab ich schon genug also sollte dieses Mal was neues ausprobiert werden.

Das Kimono-Shirt ist ein Freebie von iCandy handmade, allerdings nur in Größe M zu haben und enthält keine Naht oder Saumzugabe. Ich hab mir den Schnitt an der Taille ein bisschen schmaler gemacht und Vorder- und Rückteil gleich lang zugeschnitten. Zwischen den beiden Schnittteilen hab ich eine Fake-Paspel eingenäht (ein 2cm breiter Jerseystreifen, der gefaltet zwischen die Stoffschichten gelegt wird) und diese noch auf der Rückseite mit der schmalen Zwillingsnadel festgesteppt. Auf dem Rücken hab ich in der Mitte einen kleinen Schriftzug appliziert.

Der Kampf mit dem Einfassband

Ich hab bisher nur klassische Bündchen genäht und wollte immer schon mal Jersey-Schrägband ausprobieren. Einmal und nie wieder – ich hab den Ausschnitt zwei Mal wieder auftrennen müssen, bis es einigermaßen akzeptabel aussah. Ich hab es einfach noch nicht so richtig raus, wie lang das Bündchen für diese Ausschnittversion sein muss. Ich glaube das ist sehr materialabhängig, je weicher das Material, desto kürzer muss das Bündchen zugeschnitten werden.

Beim ersten Versuch hab ich das Bündchen genauso lang wie den Halsausschnitt zugeschnitten – was für ein Desaster. Viel viel viel zu lang zudem verliert der Stoff durch das doppelte Annähen an Elastizität und steht ganz grauenhaft ab.

Für den zweiten Versuch hab ich mein Halsbündchen auf die klassische Bündchenlänge, sprich Ausschnittlänge mit 0,7 multipliziert, gekürzt. Das sah schon viel besser aus, aber zufrieden war ich damit trotzdem nicht. Nachdem ich dann noch einmal 5cm von der Länge abgenommen und einmal mit ordentlich Dampf drüber gebügelt hab hat das Shirt das Attribut „vorzeigbar“ verdient.

Ist das Kunst oder kann das weg

Um das Shirt noch ein wenig aufzupeppen hab ich mich das allererste Mal an Applikationen versucht. Das Vliesofix hatte ich schon irgendwo liegen – aber wo nur? Ah, direkt vor meiner Nase.

Den Schriftzug hab ich direkt in Word erstellt (Schriftart: Master of Break) und mir über die Schriftart-Optionen nur den Umriss der Schrift anzeigen lassen.

Einmal für die Vorlage abgepauscht und nochmal spiegelverkehrt auf die Papierseite vom Vliesofix gemalt. Der Schritt hätte ich mir eigentlich sparen können und einfach nur das Vliesofix etwas größer als meine Schablone ausschneiden können, aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Das Ganze dann zuerst auf den roten Stoff und dann auf die Rückseite von meinem Shirt aufgebügelt, die Papierschablone darauf festgesteckt und dann immer schön ordentlich auf der Linie genäht – naja gut, zumindest hab ich mir die größte Mühe dabei gegeben. Dazu hab ich den ganz normalen Geradstich mit Stichlänge 1 benutzt. Zu guter letzt hab ich den überstehenden Stoff außenherum mit einer scharfen spitzen Schere, bei mir kommt dazu eine zweckentfremdete Nagelschere zum Einsatz, weggeschnitten – und natürlich auch ein winziges Loch in meinen Stoff geschnitten, macht nichts, sieht da eh keiner. Die Schnörkel zwischen den Buchstaben bekommt man übrigens unfallfrei freigestellt indem man den Kopf einer Stecknadel zwischen die beiden Stoffschichten schiebt und so das Vliesofix wieder löst bevor man schneidet.

Für schönere Säume

Einen kleinen Trick hab ich noch in petto. Beim Säumen hat man doch an den Seitennähten immer diese beuligen Stellen, weil man an der Stelle nicht 2 sondern 6 Schichten Stoff hat, wenn man die Nahtzugabe zu einer Seite klappt. Man kann die Dicke reduzieren, indem man auf Höhe der Falz einen Einschnitt in die Nahtzugabe macht und diese dann zu beiden Seiten klappt. Das näht sich leichter und fühlt sich auch schöner an.

Schnitt: Fun Summer Tee von iCandy handmade, an der Taille schmaler gemacht

Stoff: Anker-Jersey und weißes Bündchen von Tedox
blauer und roter Jersey von Karstadt

RUMS

Raglan Sweatshirt im Naketano-Stil

Es soll ja Leute geben, die sich erst genau überlegen, welchen Schnitt sie benutzen möchten und sich danach erst Gedanken um den Stoff machen. Bei mir ist es definitiv andersherum. Ich verliebe mich erst in die Stoffe und überlege dann, wie ich sie vernähen möchte. Ihr könnt euch denken, dass das zu einem recht ansehnlichen „Stash“ führt und manche Stücke Monate warten müssen, bis ich das richtige Schnittmuster dafür ausgesucht habe.

Zu viel Muster oder gerade genug?

Bei dem maritimen Interlock-Jersey hingegen ging es ganz schnell. Auf dem Holland-Stoffmarkt im Bochum habe ich ihn unheimlich günstig erstanden.  Nach ein wenig Gegrübel, ob mir das Muster nicht doch zu kindlich ist, entschied ich mich für ein klares „Nein“. Als waschechtes Küstenkind kann man maritime Muster tragen. Basta. Und so wusste ich schon zuhause, dass ein muggeliges Sweatshirt daraus werden sollte. Mit Raglan-Ärmeln! Den Schnitt fand ich im Buch „Nähen macht glücklich“ von Karin Ziegler. Hier war noch eine Kapuze vorgesehen, die ich weggelassen habe. Stattdessen habe ich den Ausschnitt mit einem Bündchen eingefasst. Die Regel zum Ausmessen der Länge bei Bündchen hat mir meine Schwester erklärt: Umfang x 0,8 bei Jersey, Umfang bei 0,7 bei Bündchen-Stoff. Aha. Wieder was gelernt. Danke! Für alle Bündchen habe ich die Rückseite des Jerseys benutzt.

Zugeschnitten habe ich diesmal ganz brav und ordentlich auf dem Küchentisch, und die Akuratesse hat sich gelohnt: Das Nähen ging mir leicht von der Hand. Der Schnitt war jedoch zu groß –  die Schnitte haben Zwischengrößen S/M  und ich bin dann doch schmaler. Das Problem habe ich pragmatisch gelöst, indem ich einfach mehr Nahtzugabe genommen habe.  Ha!

Fertig! Wer genau hinsieht, kann übrigens erkennen, dass ich nicht gerne Nähte versäubere. Was solls… mir gefällts trotzdem!

Das Sweatshirt erinnert mich an den Style der Marke Naketano und ich wurde auch bereits gefragt, ob der Pulli gekauft sei. Das ist das schönste Kompliment. Dazu ist er unheimlich kuschelig.

Stoff: 2 m Interlock Jersey vom Stoffmarkt Holland in Bochum

Schnitt: Kapuzenpulli mit Wendeoption von Karin Ziegler aus „Nähen macht glücklich“.