Die unperfekte blaue Bluse

Bluse McCalls M7094
Mein Beitrag für #12coloursofhandmadefashion
McCall’s is calling

Als Selmin die Farbe für die aktuelle #12coloursofhandmadefashion-Challenge bekannt gab, musste ich schmunzeln. Schließlich hatte ich gerade erst in zwei sehr schöne Stoffe investiert, die beide zufälligerweise blau waren. Ich hatte also die Wahl: blauer Strickjersey oder blaue Viskose? Nach meinem Dilemma mit der geblümten Viskose entschied ich mich für einen mutigen zweiten Versuch.

Auch das Schnittmuster war schnell gefunden. Während meines spontanen England-Trips im letzten Monat sind mir gleich drei aktuelle Näh-Zeitschriften in die Hände gefallen, die jede Menge Schnittmuster als Extras enthielten und mein Herz vor Freude hüpfen ließen. Der Schnitt für die Bluse mit dem klangvollen Namen M7094 von McCall’s hatte es mir besonders angetan.

Näh-Zeitschriften aus England
So sehen die England-Souvenirs einer Nähbegeisterten aus.
Some like it red

Ich habe viele, viele, viele blaue Kleidungsstücke. Deshalb wollte ich mich bei diesem Projekt ein kleines bisschen aus meiner Komfortzone herauswagen – und entschied mich, dem Ausschnitt einen roten Farbtupfer zu geben. Hui, rot, diese gefährliche Farbe! So auffällig, trage ich sonst fast nie. Allerdings hatte ich auch nicht mehr genug Stoff, um den Ausschnitt aus dem gleichen Stoff zu nähen, also war das Rot beschlossene Sache und irgendwo in der Stoff-Sammlung lag sogar noch rote Viskose, wie praktisch.

Ungewollter Oversize-Look

Als braves Näh-Mädchen, das inzwischen dazugelernt hat, habe ich mir die Anleitung vorher ganz genau durchgelesen. Was ich allerdings nicht getan habe, und was eine echte Hilfe hätte sein können, wäre, mir vorher auf verschiedenen Blogs Erfahrungsberichte über den Schnitt durchzulesen. Hätte ich das getan, so wäre ich beim Zuschnitt klüger gewesen. Viele Näherinnen beklagten nämlich, dass die Bluse verdammt groß ausfalle. Und auch ich habe mich gewundert, dass ich mit meinem Maßen Größe M ausschneiden sollte. Aber ich hatte schon viel zu oft gelesen, dass die Größe eines Schnittmusters oft überhaupt nichts mit der Kaufgröße zu tun haben muss. Tja, dieses Mal habe ich falsch gedacht. Nach dem Zuschnitt wunderte ich mich zwar, wie riesig das Vorderteil aussah, aber ich dachte, die verschiedenen Falten würden es schon richten. Nix da! Bei der ersten Anprobe saß die Bluse wie ein Zelt. Ich habe an den Seiten sicher jeweils 5 cm abgenommen, bis es besser saß. Auch die Ärmel habe ich enger gemacht.

Eckigen Ausschnitt nähen

Im Love Sewing Mag, in dem das Schnittmuster enthalten war, stand, dass die größte Schwierigkeit der Bluse im akuraten Zuschneiden des Kragen besteht. Ich fand das ziemlich einfach – Nadel wenden, Kanten abschneiden, vernünftig wenden, bügeln, fertig. Probleme bereitet hat mir das gleichmäßige Festnähen des oberen Teils… das muss ich wohl nochmal aufmachen und neu nähen, weil die Ecken zwar schön eckig, aber nicht gleichmäßig geworden sind.

Auch der untere Teil des Ausschnitts hat mir Schwierigkeiten bereitet. Man legt die beiden Seiten aufeinander – und dann? Muss der Stoff irgendwie in dem Ausschnitt-Loch vernäht werden. In diesem Schritt kam ich mit der Anleitung (die ich übrigens für Näh-Fortgeschrittene ansonsten gut verständlich fand) nicht zurecht. Ich wusste nicht, wo ich nähen soll, ohne dass man unschöne Nähte sieht und hatte das Gefühl, ich schummele mich da nur so durch. Ich finde, das sieht man auch an der fertigen Bluse – der Stoff steht da ab, wo er nicht abstehen soll.

Bluse McCalls

Hier sieht man, dass der Ausschnitt nicht ganz so geworden ist, wie er sollte.

Die Hinteransicht der Bluse – und ich stelle fest, dass meine Haare durch die Sonne schon ganz schön aufgehellt sind.
Das Resultat

Um ehrlich zu sein, musste ich mich mit dem Endergebnis erst anfreunden. Ich finde, von hinten fällt die Bluse total schön. Vorne hingegen sitzt sie durch die ganzen Falten( die leider nicht gleichmäßig geworden sind) und Details sehr bauschig. Die Schulternpartie hätte ich kürzen müssen. Auch das rot am Ausschnitt ist mir zu gewagt – ich kann mich in der Bluse am Strand sehen, aber nicht im Büro, dafür hat sie für mich zu viel Hippie-Stil, und das mehr, als ich wollte. Das liegt auch an der Weite – obwohl ich sie sehr viel enger gemacht habe, fällt die Bluse noch sehr, sehr locker und ich bin mir nicht sicher, wie mir das gefällt.

Detail-verliebt.

Was ich allerdings sehr liebe, sind die Ärmel-Details! Ich hatte zuvor noch keine Knöpfe zum Hochkrempeln angenäht, dabei war das sehr einfach. Und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Was mir allerdings Kopfzerbrechen bereitet: Wie heißt dieses Ding, das meinen hochgekrempelten Ärmel hochhält? Ein Riegel? Ich habe schon gegoogelt, nichts gefunden, und ich schäme mich, dass ausgerechnet mir (Literaturwissenschaftlerin, Texterin, Besserwisserin) dieses Wort nicht einfällt. Könnt ihr mir weiterhelfen?

Habt Ihr auch Erfahrung mit diesem Schnittmuster? Seid ihr mit der Passform zufrieden? Ich bin gespannt auf eure Kommentare 🙂

 

Schnitt: McCalls M7094 in Größe M

Stoff: 1, 5 m Viskose von Online Stoffe Werning und 0, 3 m rote Viskose aus meiner Sammlung

 

 

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Weiß, weiß, weiß sind alle meine Kleider

Eine meiner ungeliebtesten Eigenschaften? Ich bin privat furchtbar unpünktlich. Zu Verabredungen komme ich immer mindestens fünf Minuten später, egal, wie sehr ich mich beeile und wie oft ich mir vornehme, es wenigstens ein Mal rechtzeitig zu schaffen.

Kein Wunder also, dass ich es auch bei Selmins „12 Colours of Handmade Fashion„-Challenge erst kurz vor knapp schaffe, mitzumachen! Dabei hatte ich diesen Monat wirklich vor, das erste Mal teilzunehmen, alles ganz entspannt anzugehen und rechtzeitig fertig zu bekommen. Aber es kam so viel dazwischen: ein spontaner Urlaub in England und ein kleiner Road Trip zum Beispiel. Da blieb nicht mehr viel Zeit zum Nähen!

Aber dann habe ich es doch noch geschafft. Auch der Stoff, den ich gerade noch rechtzeitig bestellt hatte, kam rechtzeitig an. Puh! Das Projekt, für das ich mich zum Thema „weiß“ entschieden habe, ist ein schlichtes Jersey-T-Shirt.

sew white tshirt
So blütenweiß sieht mein T-Shirt nur vor dem ersten Tragen aus.
Ein T-Shirt und eine Einsicht

Eigentlich dachte ich immer, ich würde meine Basics nicht selbst machen. Wenn ein Shirt im Laden fünf Euro kostet, kann ich es für das Geld nicht selbst nähen. Aber dann kam die Fashion Revolution Week und ich habe so viele Menschen gesehen, die kritisch waren und so stolz ihre eigenen Kreationen gezeigt haben. Und dann habe ich den Film „The True Cost“ gesehen und hätte fast geheult, so sehr habe ich mich geschämt. Für die fünf Euro können andere mein T-Shirt auch nicht nähen. Also habe ich beschlossen, in Zukunft wesentlich kritischer gegenüber der Fashion-Industrie zu sein und auch bewusster zu konsumieren.

Und mein T-Shirt habe ich dann doch selbst genäht (da muss ich mich dann immerhin nur fragen, woher mein Stoff kommt).

V-Ausschnitt nähen

Den Schnitt hat meine Schwester entworfen, sie hat mir auch geholfen, den V-Ausschnitt zu bewältigen. War gar nicht so schwer, wenn man mal kapiert hat, wie es funktioniert.

Wer genau hinsieht, kann erkennen: Ja, ich trage auch im Sommer ein Unterhemd!

 

Beim Foto-Machen ist mir ein Frosch über den Fuß gehüpft!

Ich bin ziemlich begeistert von der Passform – an den Brüsten sitzt mein T-Shirt wie eine zweite Haut und darf mich von nun an begleiten, wenn ich meine selbstabgeschnitten Shorts, kunterbunte Röcke und Jeans trage. Ein echter Allrounder, haha!

Schnitt: Maßschnitt von meiner Schwester

Stoff: ca. 0,7 m weißer Jersey

Verlinkt bei: 12 Colours of Handmade Fashion und MeMadeMittwoch 

Pleiten, Pech und Blümchen

Wie viele blöde Fehler kann ein Mensch beim Nähen eines Kleides machen? Bestimmt ganz viele. Aber zwei reichen auch, um das Teil erstmal ziemlich zu ruinieren und dann wütend in die Ecke zu werfen. So ging es mir bei  meinem neuen Blumenkleid. Dies hier wird ein Beitrag übers Scheitern und Wiederaufstehen.

Ein Traumkleid aus Vintage-Viskose

Dabei fing alles so gut an: Ich entdeckte die wunderschöne Vintage-Viskose bei DaWanda, und da mich das Millefleur-Muster so sehr an die Liberty of London-Prints erinnerte, habe ich den Stoff glückselig in den Einkaufswagen gelegt und mir schon beim Bestellvorgang überlegt, was für wunderbare, fließende Kleider ich damit nähen könnte.

Viskose Blümchen Millefleur
Das wunderbare Muster im Detail.

Und dann kam der Stoff an und er war weich und leicht und fühlte sich so toll an, dass ich es gar nicht abwarten konnte, mit dem Nähen loszulegen! Inzwischen hatte ich mich auch für einen Schnitt entschieden, ein Kleid aus „Ein Schnitt, zehn Kleider“, das mit Reißverschluss geschlossen wird. Nach dem Dirndlrock Clémence hatte ich schließlich keine Angst mehr vor Reißverschlüssen, dachte ich. Aber das sollte sich als Irrtum herausstellen.

DIY Kopierfolie

Da ich erst vor kurzem umgezogen bin und noch nicht alles ausgepackt habe, hatte ich leider nicht alle Nähsachen parat. Kopierpapier und Co lagen selbstverständlich in einem der vielen Kartons, an die ich nicht ohne weiteres herankam. So musste ich improvisieren. Für das Abpausen des Schnittmusters griff ich also auf einen Trick zurück, den meine Schwester immer nutzt: günstige, halbtransparente blaue Säcke. Einfach an der langen und kurzen Seite aufschneiden und fertig ist die Kopierfolie. Roch zugegebenermaßen etwas nach Plastik, aber wer Nähen will, muss leiden, oder nicht?

Ich habe direkt auf der Folie mit zwei zusammengebundenen Filzstiften die Nahtzugabe aufgemalt, alles grob zugeschnitten, auf dem Stoff befestigt und dann ordentlich zugeschnitten. Da habe ich bereits bemerkt, wie rutschig mein wunderbarerer Stoff ist, aber trotzdem hat da noch alles ganz gut geklappt. Noch…

Mit der Overlock in den Stoff geschnitten

Die Entscheidung, die dann folgte, stellte sich als großer Fehler heraus. Mitten im Nährausch beschloss ich, meine Overlockmaschine zu benutzen, mit der ich zuzugebenermaßen noch nicht die allergrößte Erfahrung habe. Aber ich hatte Lust auf schnelle Erfolge und hübsche Nähte und zunächst lief auch alles nach Plan – bis ich das Oberteil an den Rock nähen wollte. Eine Sekunde nicht aufgepasst, den Stoff nicht richtig unter das Füsschen gezuppelt, etwas zu stark aufs Gaspedal gedrückt – zack, da war es schon passiert. Ein Loch in meinem schönen Stoff. Das Messer hat nicht nur brav die Nahtzugabe abgetrennt, sondern auch einen Teil meines Rock-Vorderteils. Natürlich war nicht mehr genug Stoff vorhanden, um das Unterteil neu zuzuschneiden. Ich hätte heulen können.

Nachdem meine Schnappatmung sich wieder beruhigte, versuchte ich es mit Schadensbegrenzung. Also den Schnitt sorgsam zugenäht, in der Hoffnung, dass diese klitzekleine Naht inmitten der ganzen Blumen nicht auffällt (Spoiler: Sie fällt auf).

Vertuschen bringt nix: Immer noch gut zu sehen, der Riesen-Fehler.

Aber ich war hochmotiviert, das Ding zu retten. Ich wollte mir beweisen, dass ich nicht aufgebe und freute mich schon so auf das Tragen des Kleides. Sicherheitshalber stellte ich die Overlock beiseite und nutzte fortan nur noch meine normale Nähmaschine. Mit Erfolg. Bis ich zum Reissverschluss kam.

Der hässlichste Reißverschluss aller Zeiten

Mein Fehler: Ich habe die Nahtzugaben nicht auseinander gebügelt. Ja, ich hätte es tun sollen, aber das Bügeleisen lag im Karton ganz unten. Trotzdem, dachte ich, hatte ich den Reißverschluss gerade darauf befestigt. Aber das war wohl ein Fehlschluss – oder aber der Stoff ist trotz vieler Nadeln unfassbar verrutscht. Es bildeten sich Wülste, wo er hätte gerade liegen sollen, an einer Stelle klemmte der Reißverschluss sogar – keine Ahnung, wie ich es hinbekommen habe, etwas so dermaßen verhunztes und hässliches zu produzieren. Aber es war passiert und meine Frustration war sehr, sehr groß. Zwei Riesen-Fehler in einem Projekt.

I present you, not proudly at all, worst work ever.
Reißverschluss einnähen bei rutschigen Stoffen

Drei Tage lag das Kleid in der Ecke, ehe ich mich an die Fehlerbehebung traute. In einer ruhigen Stunde (wortwörtlich!) trennte ich den Reissverschluss wieder auf. Dann lieh ich mir das Bügeleisen meiner Oma, ein uraltes Ding ohne Schnickschnack, das allerdings plättet wie nix! Damit wurden die Nahtzugaben erst einmal schön gebügelt. Im Internet hatte ich diverse Tipps gelesen von Sprühstärke bis hin zum untergelegten Seidenpapier (was ich versucht habe und dann rutschte mir das Papier weg, auch keine gute Idee) und der vernünftigste Ratschlag erschien mir doch das Verstärken mit Bügeleinlage zu sein. Also habe ich zwei dünne Streifen ausgeschnitten, aufgebügelt, den Reissverschluss mit 1001 Nadeln festgesteckt, tief durchgeatmet und losgenäht.

Hier habe ich den dünnen Vlieseline-Streifen befestigt. Ja, ich weiß, der Bügelbrett-Bezug ist ultra hässlich!
Drama mit Happy End

Was soll ich sagen? Es ist nicht der allerschönste Reißverschluss aller Zeiten geworden. Aber es hat geklappt. Beim ersten Anlauf sogar. Und ich war unfassbar erleichtert. Danach war das Säumen ein Klacks – und bei der Anprobe störte mich sogar die Reparaturnaht am Rockteil nicht mehr.

Ich freu mich schon, das Kleid das nächste Mal anzuziehen. Ich finde, es ist genau das passende Outfit zum Oma-Geburtstag am Freitag 🙂

Was macht ihr, wenn euch beim Nähen solche groben Fehler passieren? Haut ihr alles in die Tonne oder versucht ihr zu retten, was zu retten ist?

Schnitt: Lehrerinnenkleid „Stephanie“ (ohne Kragen) aus „Ein Schnitt, 10 Kleider“ von Laura Hertel

Stoff: 1,50 m Vintage-Viskose vom DaWanda-Shop Suchen und Finden 

 

Verlinkt beim MeMadeMittwoch

Umziehen.

Ein Hobby nur für mich

Wenn ich nähe, dann versinke ich ganz im Flow-Zustand: Ich kann mich voll und ganz auf meine Schnittteile, Garne, Spulen, Nadeln und Stoffe konzentrieren und nehme nichts mehr von außen wahr – außer das Hörspiel, das dabei läuft (meistens Die drei ??? oder Sherlock Holmes – ich liebe Detektivgeschichten und Krimis). Das ist ungemein entspannend und eine echte Bereicherung, wenn alles andere stressig wird. So wie letzte Woche.

Denn Stück für Stück und Zimmer für Zimmer haben mein Freund und ich unser Leben in Kartons verpackt, 31 an der Zahl, um woanders weiterzuführen. Wir sind umgezogen! Und es war so anstrengend, dass ich mich zwischendurch einfach verzogen habe. Wohin? An meine Nähmaschine natürlich!

Rock Clémence maritim türkis
Möwen, Meer und Schiffe: Rock-Saison ahoi!
Hinten habe ich beim Zuschneiden nicht aufgepasst, aber was solls. Mir gefällts trotzdem!
Rock „Clémence“ von Tilly and the Buttons

Ich nähe mich ja so langsam, aber sicher durch „Liebe auf den ersten Stich“ von Tilly Walnes. Auf meiner To-sew-Liste stand noch der Dirndlrock „Clémence“. Den Stoff dafür hatte ich schon länger liegen: Türkise Baumwolle mit Segelschiff-Rapport. Gerade jetzt passt das maritime Muster richtig, richtig gut – schließlich sind wir zurück in meine Heimat, in den Norden und an die Nordsee gezogen!

Das Schnittmuster besteht nur aus Rechtecken, deren Größe anhand der eigenen Maße variiert. Insgesamt sind es nur 5 Teile und dementsprechend fix war alles zusammengenäht – inklusive französischer Nähte für ein hübsches Innenleben und per Hand angenähtem Bundbeleg, haha! Mehr Zeit zum Nähen hätte ich auch gar nicht gehabt – sonst hätte es sicher Krach gegeben, weil ich nicht beim Packen helfe.

Nicht ganz glücklich bin ich mit dem Rockbund. Er ist sehr steif und obwohl er ja auf meine Maße zugeschnitten ist, steht er leicht ab. Hat da jemand Tipps für mich wie ich das ändern kann oder beim nächsten Mal besser machen?

Reißverschluss einnähen

Bisher habe ich immer Respekt vor Reissverschlüssen gehabt , denn viele meiner Versuche, welche einzunähen, misslangen. Ich komme immer durcheinander, wenn ich den Reißverschluss geöffnet rechts auf rechts stecke, weil er sich unten verdreht. Außerdem sieht man jeden Millimeter Höhenunterschied – so präzise zu arbeiten, fällt mir schwer.

Deshalb hab ich es dieses Mal anders gemacht. Ich habe mich nicht für einen nahtverdeckten, sondern ganz normalen Reißverschluss entschieden. Und nach dieser Anleitung gearbeitet: Erst alles mit normaler Nahtzugabe und großem Stich zugenäht, hübsch zu beiden Seiten gebügelt, Reißverschluss mittig draufgelegt und mit vielen, vielen Nadeln fixiert, dann rechts und links davon gesteppt und die mittlere Naht wieder aufgemacht – und schon beim zweiten Anlauf war ich mit dem Ergebnis zufrieden!

Rock Clemence Tilly and the Buttons
Die Mütze musste noch sein – es ist kalt an der Nordsee!
Rock Clemence Liebe auf den ersten Stich
Und so siehts angezogen von hinten aus.

Ich bin zwar noch nicht sicher, welche Farben (außer weiß) zu dem kräftigem Türkis passen, und obwohl es noch zu kalt ist, den Rock ohne Strumpfhose zu tragen, mag ich ihn jetzt schon sehr! Ich finde es toll, wie er schwingt und wie er im Wind fliegt, der hier immer weht.

Schnitt: Dirndlrock „Clémence“ aus „Liebe auf den ersten Stich“ von Tilly Walnes

Stoff: 1,5 m maritime Baumwolle von eBay

Verlinkt bei  RUMS

Ein Tag mit Barbara

Kleid „Barbara“ aus der La Maison Victor

Mein liebster Nähtag ist Sonntag! Da wandere ich direkt nach dem Frühstück mit einer extra großen Tasse Kaffee in mein Arbeitszimmer, und während ich mich stundenlang meinem aktuellen Näh-Projekt widme, vergesse ich alles um mich herum.

An den letzten Sonntagen hieß das aktuelle Projekt „Barbara“. Das finde ich lustig, weil auch die Mutter meines Freundes so heißt. Hier handelt es sich allerdings um ein Kleid aus der aktuellen „La Maison Victor“. Im Vintage-Stil, mit Raffungen, fast knielang, zum Knöpfen. Bereits beim ersten Durchblättern der Zeitschrift hatte ich mich verliebt. Mir war klar, dieses Kleid will ich nähen – in rosa.

La Maison Victor Barbara nähen
Hallo, Babsi!
Stoffwahl

Zunächst schwebte mir ein rosa gepunkteter Stoff von Stoff und Stil vor, aber auf dem Stoffmarkt in Viersen habe ich mich spontan umentschieden. Ein Coupon rosa Blümchen-Baumwolle, 1,80 mal 1,60 Meter für 6 Euro – gekauft. Farblich passendes Garn hatte ich auch noch.

Stoffmarkt Holland Baumwolle rosa
Stoff und Garn liegen bereit!
Die Vorbereitung

Ich wollte also direkt loslegen. Zum Glück habe ich mir die Anleitung vorher nochmal angeschaut – und dabei festgestellt, dass die Nahtzugaben nicht enthalten waren. Oje. Bisher hatte ich Nahtzugaben dann öfter pi mal Daumen mit zugeschnitten, aber dementsprechend auch nur so mittelmäßig schöne Ergebnisse erreicht. Also mal wieder den Akkuratesse-Modus einschalten: Ich habe alle Schnittmuster in meiner Größe mit Kopierpapier kopiert, dann zwei Stifte mit Tesa aneinander geklebt, und dann alles nochmal nachgezogen und dabei gleich 1 cm Nahtzugabe mit eingezeichnet.

Nahtzugabe einzeichnen
Hier wird voll ordentlich gearbeitet.

Genau so ordentlich war ich bei den weiteren Schritten. Schnittmusterteile sehr sorgfältig ausgeschnitten, aufgelegt, umrandet und wieder ausgeschnitten. Alleine die Vorbereitung hat mehrere Stunden gedauert. Ich wundere mich immer, wenn Leute schreiben, sie hätten ganz schnell was genäht – Sorgfalt braucht schließlich Zeit.

La Maison Victor Barbara nähen
Man beachte die Kinder-Bastelschere, die mit ins Bild durfte.
An die Nähte, fertig, los!

Das Nähen ging relativ leicht von der Hand. Das Raffen mit Kräuselfaden habe ich ja bereits bei meiner „Mimi“-Bluse geübt. Beim Festnähen meiner Kräuselung habe ich getrickst und sie einfach kurz mit Tesa festgeklebt. Das hat ganz gut funktioniert.

Herausforderung Halsbeleg

Ich bin davon ausgegangen, dass die Herausforderungen bei „Barbara“ für mich die Ziernähte werden würden. Da lag ich falsch (mit etwas Geduld und rosa Garn, damit Fehler nicht auffallen, ging es ganz gut). Stattdessen hatte ich richtigen Kummer mit dem Halsbeleg. Das Stück für die Hinterseite hat einfach nicht gepasst! Da muss ich bereits beim Abpausen einen Fehler gemacht haben. Nach einigem Hin und Her musste ich einsehen, dass ich das Problem nicht lösen kann – außer mit neu zuschneiden. Dafür habe ich die Breite der Beleg-Vorlage genommen und an Schnittmusterteil für den hinteren Halsausschnitt gelegt, um es in der richtigen Breite und Lange neu schneiden zu können. Danach hat es geklappt.

Auch Fehler zwei fand sich beim Beleg: Ich hatte zwei Teile jeweils nur zwei und nicht vier Mal zugeschnitten. Die Belegteile sollten eigentlich verstürzt werden, bevor sie an den Ausschnitt gesteppt werden. Ich hatte keine Lust, neu zuzuschneiden (und neu Vlieseline aufzubügeln), also habe ich den Beleg links auf rechts an den Ausschnitt genäht, so dass beim Umklappen trotzdem die rechte, schöne Seite zu sehen ist. Da bereits Bügelvlies untergebügelt war, fransen die Belegteile nicht aus.

Näh-Hack: Damit der Beleg nicht zurück klappt

Zum Befestigen des Belegs hat mir meine Schwester einen super Tipp gegeben: Saumband. Ich habe also kleine Stücke an verschiedenen Stellen angebügelt und der Beleg hält wunderbar, ohne wieder in die andere Richtung zu kippen.

Knöpfe werden rollen…

Ich war in drei Geschäften, um mir Knöpfe für „Barbara“ zu kaufen, und bin doch nicht fündig geworden. Mir schwebten kleine, rote Knöpfe vor – aber die, die es zu kaufen gab, waren nicht zu 100% das, was ich wollte, und außerdem zu teuer. Letztlich habe ich bei Ebay kleine, rot glänzende Knöpfe ersteigert. Die waren eigentlich für Puppenkleidung gedacht, aber das macht ja nix. Insgesamt elf Knopflöcher und Knöpfe habe ich angenäht. Puh!

 

Die ganze Arbeit hat sich gelohnt, ich bin sehr stolz auf mein Kleid, habe es zu Ostern bereits getragen und werde es sicher den ganzen Sommer über oft anziehen.

Schnitt: „Barbara“ aus der La Maison Victor 2/2017

Stoff: Baumwolle-Coupon 1,60 x 1,80 m vom Stoffmarkt in Viersen

La Maison Victor Barbara nähen
Barbara wird ausgeführt!
La Maison Victor Barbara nähen
Rücken-Raffungen.

Verlinkt beim Creadienstag:

und bei Handmade on Tuesday

Meine Pyjamapiraten-Shorts

Streifenliebe

Spring Shorts Peppermint Magazine
Friemelarbeit: So ausschneiden, abstecken und aufeinandernähen, dass die Streifen aufeinander passen. Hat ganz gut geklappt!

Die Streifen sind los! Nachdem ich letzte Woche meinen quergestreiften Cardigan vollendet habe, sind jetzt Längsstreifen dran. Auf dem Nähtisch stapeln sich bereits eine unfertige Bluse und ein halbfertiges Kleid, da hatte ich keine Lust auf langwierige, sorgfältige Detailarbeiten, sondern auf ein fixes Projekt, das Erfolge verspricht. Da der Frühling langsam wunderbar warme Temperaturen mitbringt, war schnell klar – Shorts sollen es sein! Passenderweise heißt mein Schnitt auch so: Spring Shorts. Das Freebie vom Peppermint Magazine habe ich bereits letztes Jahr auf vielen Blogs gesehen. Ich entschied mich jedoch gegen die Kordel und für Gummiband im Bund. Ungewohnt für mich ist die hohe Taille – normalerweise trage ich keine High Weist Hosen.

Nähen mit Vintage-Stoffen

Shorts und Streifen – eine hübsche Kombi, dachte ich. Besonders, wenn man in seinem Fundus noch ein Stück super leichte Baumwolle aus den 50er Jahren hat. Meine Mutter und ich haben letztens etwas Zeit auf dem Dachboden verbracht, wo wir einige Schätze zutage förderten – z.B. eine Strickmaschine, die ich ganz bestimmt ausprobieren werde, sobald ich das nächste Mal im Norden bin (ich kann zwar gar nicht stricken, aber das lerne ich dann schon). Zu den Schätzen gehörten auch einige Stoffe, die aus einem Kaufmannsladen, den mein Urgroßonkel oder so vor vielen vielen Jahren mal hatte, stammten. Sie waren verstaubt und teilweise schon von Motten angefressen – aber das war nichts, wobei die Waschmaschine und eine Schere nicht Abhilfe schaffen konnten.

Vintage Stoff 50er
Der Stoff in seiner ganzen Pracht – inklusive Mottenlöchern.
Problem: Taschen nähen

Die Stücke, die die Motten und die Schere übrig gelassen hatten, reichten glücklicherweise für die Shorts. Das Schnittmuster war schnell zusammengesetzt, die Teile ausgeschnitten und los gings. Mit der Anleitung allerdings kam ich nicht ganz so gut zurecht. An meinem Englisch lags nicht, das ist ziemlich gut; das Problem waren die Taschen. Ich hatte vorher fast noch nie welche genäht (außer Paspeltaschen an einer Jogginghose die für meinen Freund zu Weihnachten bestimmt war, aber nicht 100%ig passte, so dass sie danach an meine Mutter ging) und das Prinzip, den Taschenstoff mittig zu falten und dann an die Vorderseite und Rückseite der Shorts zu nähen, war mir neu. Ich friemelte also ziemlich lange daran herum, trennte auf, nähte neu – so wurde es dann doch nix mit meinem schnellen Projekt für Zwischendurch.

Säume nähen mit Saumband

Danach war ich bereits ein ganz kleines bisschen genervt. So beschloss ich, den  vorgesehenen Beleg für den Hosensaum einfach wegzulassen. Stattdessen habe ich die Hosenbeine gesäumt – ganz ohne Nähen. Hab zum ersten Mal Saumband zum Aufbügeln ausprobiert und bin ziemlich begeistert, wie gut das funktioniert hat. Damit schummel ich in Zukunft sicher öfter.

Pyjamahose trifft Piraten-Stil
Spring Shorts Peppermint Magazine
Fürs Foto hab ich mir die Jeansjacke von meinem Freund „ausgeliehen“…

Mit dem Ergebnis bin ich doch zufrieden. Habe noch Gürtelschlaufen hinzugefügt und einen Bindegürtel. Der Stoff fühlt sich toll an und fällt unheimlich gut. Die Taschen sind bis auf einen kleinen Fehler ganz gut geworden und bieten unheimlich viel Platz und extra Bequemlichkeit. Hinten fällt die Shorts wie ein Hosenrock – das finde ich toll! Die Kombination aus dünnem Stoff und Längsstreifen wirkt allerdings auch irgendwie wie eine Mischung aus maritim und Schlafanzughose. Ich finde, ich sehe darin aus wie ein Pyjama-Pirat! Aber das macht nix – und ich kann mir schon richtig gut vorstellen, wie ich die Shorts an einem Tag am Strand anhabe oder darin an heißen Tagen ein Eis esse.

Spring Shorts Streifen Hund
Passen immer perfekt zusammen: Streifen und Punkte.

Schnitt: Spring Shorts von Pattern Runway in der Sewing School von Pappermint Magazine

Stoff: ca 1m Vintage-Baumwolle

 

Verlinkt beim Memademittwoch

Mit Nadel und Geduldsfaden

Hurra, mein Streifen-Cardigan ist fertig! Das erste Stück, was ich auf der Overlock genäht habe. Und auch der erste „richtige“ Cadigan, den ich genäht habe (hatte schon einmal einen mit dem selben Schnitt angefangen, war aber am Einfassband und anderen Kleinigkeiten wie zu engen Ärmeln gescheitert). Somit also ein echtes Erfolgserlebnis und ein super Teil für meine Frühlingsgarderobe!

Hallo, Akkuratesse!

Die Fertigstellung war ein Kampf mit meiner Geduld, denn es fehlten nur noch Schritte, für die man unheimlich viel Sorgfalt an den Tag legen musste: Das Bündchen absteppen – im Nahtschatten. Also ganz langsam und vorsichtig aufs Pedal treten. Es hat nicht überall hingehauen, an den schlimmsten Stellen habe ich die Naht wieder aufgetrennt.

Verflixt und zugeknöpft

Als nächstes die Knöpfe: Die Knopfauswahl hat ja noch Spaß gemacht. (Seit ich das allererste Mal Knöpfe im Laden gekauft habe und an der Kasse beinahe umgefallen bin vor Schock darüber, wie teuer die sind, schneide ich die Knöpfe jedes Hemdes und jeder Bluse ab, die in die Altkleidersammlung kommen.) Ich wühlte in meinem Fundus herum und habe mich für elegante, kleine Perlmuttknöpfe entschieden.

Die Streifen des Cardigans waren dabei Fluch und Segen zugleich. Denn einerseits konnte ich mich an den Streifen orientieren (jeder vierter türkise Streifen ein Knopfloch), musste aber auch höllisch aufpassen, dass die Streifen absolut passgenau aufeinander treffen. Also ging das Knopfloch- und Knopf-Annähen sehr, sehr langsam vonstatten. Aber die Geduld hat sich gelohnt: Alles passt – Ute happy!

Cardigan Maja Streifen türkis
Streifen auf Streifen auf Streifen.
Verflixt und zugenäht

Im letzten Schritt griff ich wieder zu Nadel und Faden, diesmal schon genervt, aber in der Hoffnung, das Ding bald fertig zu bekommen. Dazu konnte ich mich immerhin auf den Balkon in die Sonne setzen – aber mit der Hand nähen ist wirklich nichts für mich. Ich komme mir zu grobmotorisch vor, wenn ich winzig kleine Fäden verknoten soll und dann noch einen Knoten machen muss, der genau auf den ersten passt. Ich habe das Gefühl, meine Finger sind im Weg, wenn ich einen hübschen Matratzenstich mit winzigen Stichen nähen möchte.

Mit dem Endergebnis der Matratzennaht bin ich einverstanden, aber nicht super glücklich. Man sieht zwar die Fäden nicht, aber die Nähte sind wellig. Da heißt es wohl: üben, üben, üben – oder nie wieder etwas nähen, das von Hand geschlossen wird. Ha! Und ich lasse mir die Freude über das fertige Kleidungsstück dabei nicht vermiesen und überlege schon, womit ich den Cadigan gut kombinieren kann 🙂

Cardigan Maja nähen
Querstreifen machen schick!

Schnitt: Cardigan „Maja“ von Kreativlabor Berlin  mit einigen Änderungen

Knöpfe: Vintage aus hauseigenem Fundus

 

Verlinkt beim Creadienstag:

und bei Handmade on Tuesday

 

 

Näh-Nachhilfe bei meiner Schwester

Die Overlock und ich: ein holpriger Start

Beim Nähen bin ich absoluter Autodidakt. Ich habe nie einen Nähkurs besucht – dafür bin ich viel zu rebellisch! Ich lasse mir nicht gern sagen, was ich zu tun und zu lassen habe und wenn ich nur durch Fehler lerne, dann ist es eben so. Aber manchmal ist es gar nicht soooo schlimm, jemanden zu fragen, wenn man mal nicht mehr weiter weiß. So wie ich mit meiner Overlock-Maschine: Eine SINGER Overlock 14SH754.

Die besitze ich bereits seit über einem Jahr. Von Mutti zu Weihnachten bekommen und mich tierisch gefreut, bis ich sie ausgepackt, mühselig eingefädelt und die ersten Stiche genäht habe. Denn egal, wie sehr ich an den Rädern herumstellte, das Nahtbild war einfach nicht schön und absolut ungleichmäßig. Und das blieb nach endloser Google-Suche auch so, ich war wirklich genervt, denn die Erfahrungsberichte über die Singer Overlock, die es ja bei Lidl zum Supersonderangebot gab und die deshalb ja überhaupt keine gute Qualität haben könnte, häuften sich. Denn Singer wurde aufgekauft und hat nicht mehr die Qualität von damals… Letztlich habe ich die Maschine eingeschickt, nach einiger Zeit zurück bekommen – und danach nicht wieder angemacht. Ich hatte einfach überhaupt keine Lust auf ein weiteres Frustrationserlebnis.

Antje macht das eben

Meine Schwester hat eine ganze andere Einstellung zu Maschinen als ich. Ich habe Respekt, sie ist neugierig. Ihre hat sie letztens einfach aufgeschraubt, statt sie zur Wartung zu bringen – Ingenieurin eben. Und als sie angeboten hat, sich meine Overlock anzusehen, habe ich zugesagt und die Nähmaschine beim nächsten Besuch im Norden in meine Koffer gepackt.
Es hat nicht lange gedauert, bis Antje das Ding zum Laufen gebracht hat. Mit wunderschönem Stichbild. Hurra!

Eine Stunde Näh-Nachhilfe, bitte!

Danach fing die Nähstunde an. Für dieses Projekt habe ich mir einen Cardigan ausgesucht, den ich so ähnlich vom britischen Label Boden gesehen habe. Mit mintgrünen Streifen und rot abgesetzter Knopfleiste. Und das Lernen fing schon beim Zuschnitt an, denn Antje macht das ganz anders als ich. Sie steckt die Schnittmusterteile sorgfältigst fest, während ich sie auf dem Stoff nochmal abpause. Und sie hat darauf bestanden, dass ich es genau somache wie sie. Für jemanden, der so ungeduldig ist wie ich, war das eine harte Geduldsprobe! Bei den Streifen habe ich penibel darauf geachtet, dass alles aufeinander passt – schließlich hat meine Schwester mir genau auf die Finger geguckt! Aber es hat sich gelohnt.

Streifen richtig zuschneiden
Antje schneidet einen Ärmel für mich zu, nachdem sie mir erklärt hat, dass der Bruch immer in Richtung des Fadenlaufs gelegt wird. Ach so ist das…

Auch beim Nägen hat Antje mir ihre Tricks gezeigt. Statt Nadeln benutzt sie WonderClips, und wenn diese nicht zur Hand sind, tun es auch Büro-Clips. Sicher fünfzig Mal hat sie mir den Stoff unter dem Näh-Füßchen zurecht gezuppelt, damit er keine Falten schlägt (vielleicht wäre es auch einfach hilfreich, festeren Baumwolljersey zu benutzen und nicht das ultra dünne Viskose-Mischgewebe, aber man braucht schließlich auch Herausforderungen, haha).

Cardigan Maja nähen Streifen
So gut wie alle Streifen passen aufeinander und die Nähte sehen toll aus. Ich bin begeistert!

Den Schnitt haben wir leicht verändert. Statt den Halsausschnitt mit Jersey wie Schrägband einzufassen, haben wir ein Bündchen dran gemacht. Auch unten haben wir ein Bündchen hinzugefügt. Das hätten wir tun sollen, ehe die Knopfleisten angenäht wurden, aber was solls. Was ich am Schnitt schade fand, ist, dass er so klein ausfällt. Bei gekaufter Kleidung habe ich Größe 34. Den Cardigan habe ich in Größe 38 zugeschnitten und er sitzt trotzdem hauteng.

Den Rest mach ich alleine

Im nächsten Schritt wird gebügelt, Bündchen abgesteppt und dann beim großen Finale Knöpfe und Knopflöcher genäht! Ich bin gespannt, wie das Endergebnis aussehen wird.

Schnitt: Cardigan „Maja“ vom Kreativlabor Berlin
Stoff: ca 1,3 m Viscose-Jersey von eBay, Rest roter Jersey von Karstadt

Es geht der Bluse an den Kragen!

Bluse = Business?

Früher habe ich so gut wie nie Blusen getragen. Ich fand immer, ich sehe damit verkleidet aus – ein bisschen wie Business-Barbie. Inzwischen arbeite ich ja auch richtig und finde es gar nicht mehr so schlimm, wie Business-Barbie auszusehen. So ein professioneller erster Eindruck kann schließlich auch etwas Gutes sein. Trotzdem wird man die klassische weiße Bluse nicht in meinem Kleiderschrank finden. Stattdessen gibt’s Punkte, Streifen – und inzwischen auch 1,5 selbstgenähte Modelle!

Hallo, Mimi!

Ich mag die Schnitte von Tilly and the Buttons, nähe mich durch ihr Buch und dabei auch die Bluse „Mimi“. Das war für mich bisher das anspruchsvollste Projekt. Schließlich hatte ich noch nie zuvor Knopflöcher genäht! Und auch keine Ahnung, wo man bei meiner Nähmaschine die Knopflochautomatik findet oder ob es da überhaupt eine gibt (ich nähe auf einer alten Singer Samba 40, die mein Papa mal meiner Mama geschenkt und sie dann mir vermacht hat. Romantisch, oder?) Dazu habe ich das erste Mal richtig teuren Stoff vernäht. Entgegen meiner sonstigen Art bin ich also alles ganz, ganz ruhig angegangen und nach einiger Friemelei kann sich das Endergebnis sehen lassen: Den Kragen und die Ärmelbündchen habe ich in unifarbener dunkelblauer Baumwolle genäht und dazu passend auch Knöpfe bezogen.

Mimi Tilly and the Buttons dunkelblau Streifen Bluse
Sogar die Streifen passen aufeinander.
Kragen Bluse Mimi Tilly and the Buttons
Innen sieht’s nicht ganz so hübsch aus. Ich hoffe, mein Anker-Label lenkt davon ab…
Mimimi statt Mimi

Dieses Erfolgserlebnis hätte ich mit Bluse 2 gern einfach wiederholt. Aber „Mimi“ kann auch eine echte Zicke sein –  eher eine „Mimimimimi“. Als Stoff habe ich einen sehr günstiges, türkisfarbenes Mischgewebe verwendet, und so fingen die Probleme bereits beim Zuschnitt an – und das, obwohl ich extra gebügelt hatte. Frechheit. Der Stoff war rutschig ohne Ende und knitterte sofort wieder, was exaktes Zuschneiden fast unmöglich machte. Außerdem hatte ich Extrawünsche: Statt des tiefen Ausschnitts wollte ich einen, der nicht ganz so viel preisgibt und dazu dann auch gleich einen anderen Kragen. Varianten des Kragens seien nicht schwer, steht in dem Buch. Haha, von wegen. Eine besonders gute Idee war es, den Bubikragen aus einem anderen Schnittmuster (1 Schnitt, 10 Kleider von Laura Hertel) einfach zu übernehmen und so halb an das Mimi-Schnittmuster anzupassen. Im Endeffekt hat nichts zusammen- oder aneinander gepasst, so dass ich froh war, dass ich noch genug Stoff übrig hatte, um die Vorderteile ganz neu zuzuschneiden.

Dann die Kragenteile selbst – ich habe alle Anfängerfehler mitgenommen, weil ich gedanklich schon zwei Schritte weiter war. Das Bügeleisen fast ruiniert, weil die falsche Seite des Bügelvlieses oben lag und dann drei gleiche und nur ein spiegelverkehrtes Teil zugeschnitten… so ging es fast den ganzen Nachmittag weiter.

Aber anstatt alles wütend in den Mülleimer zu hauen, habe ich mir ein Hörspiel angemacht und leicht angesäuert weitergeschneidert. Mit viel Geschummel hat es doch noch einigermaßen hingehauen. Ich muss alles noch ordentlich bügeln, aber dann ist der Bubikragen fertig. Und damit auch schon eine ganze halbe Bluse.

Bluse Mimi Tilly and the Buttons türkis
Hier sieht man schön, wie rutschig der Stoff ist. Die Ärmel fehlen noch.
Das Elend von nah. Hat da etwa jemand vergessen, den Beleg zu versäubern?

Schnitt: Bluse „Mimi“ von Tilly and the Buttons in „Liebe auf den ersten Stich“

Stoff Mimi 1: 2 m Popeline von Cotton and Steel, gekauft bei Fadenwerk in Kiel.  Stoff Mimi 2: 2 m türkises Mischgewebe, gekauft bei Karstadt.

Raglan Sweatshirt im Naketano-Stil

Es soll ja Leute geben, die sich erst genau überlegen, welchen Schnitt sie benutzen möchten und sich danach erst Gedanken um den Stoff machen. Bei mir ist es definitiv andersherum. Ich verliebe mich erst in die Stoffe und überlege dann, wie ich sie vernähen möchte. Ihr könnt euch denken, dass das zu einem recht ansehnlichen „Stash“ führt und manche Stücke Monate warten müssen, bis ich das richtige Schnittmuster dafür ausgesucht habe.

Zu viel Muster oder gerade genug?

Bei dem maritimen Interlock-Jersey hingegen ging es ganz schnell. Auf dem Holland-Stoffmarkt im Bochum habe ich ihn unheimlich günstig erstanden.  Nach ein wenig Gegrübel, ob mir das Muster nicht doch zu kindlich ist, entschied ich mich für ein klares „Nein“. Als waschechtes Küstenkind kann man maritime Muster tragen. Basta. Und so wusste ich schon zuhause, dass ein muggeliges Sweatshirt daraus werden sollte. Mit Raglan-Ärmeln! Den Schnitt fand ich im Buch „Nähen macht glücklich“ von Karin Ziegler. Hier war noch eine Kapuze vorgesehen, die ich weggelassen habe. Stattdessen habe ich den Ausschnitt mit einem Bündchen eingefasst. Die Regel zum Ausmessen der Länge bei Bündchen hat mir meine Schwester erklärt: Umfang x 0,8 bei Jersey, Umfang bei 0,7 bei Bündchen-Stoff. Aha. Wieder was gelernt. Danke! Für alle Bündchen habe ich die Rückseite des Jerseys benutzt.

Zugeschnitten habe ich diesmal ganz brav und ordentlich auf dem Küchentisch, und die Akuratesse hat sich gelohnt: Das Nähen ging mir leicht von der Hand. Der Schnitt war jedoch zu groß –  die Schnitte haben Zwischengrößen S/M  und ich bin dann doch schmaler. Das Problem habe ich pragmatisch gelöst, indem ich einfach mehr Nahtzugabe genommen habe.  Ha!

Fertig! Wer genau hinsieht, kann übrigens erkennen, dass ich nicht gerne Nähte versäubere. Was solls… mir gefällts trotzdem!

Das Sweatshirt erinnert mich an den Style der Marke Naketano und ich wurde auch bereits gefragt, ob der Pulli gekauft sei. Das ist das schönste Kompliment. Dazu ist er unheimlich kuschelig.

Stoff: 2 m Interlock Jersey vom Stoffmarkt Holland in Bochum

Schnitt: Kapuzenpulli mit Wendeoption von Karin Ziegler aus „Nähen macht glücklich“.