Jeans nähen

Jeans nähen oder das aufwendigste Nähprojekt in meiner Nähkarriere

Oberteile hab ich schon in rauen Mengen genäht, vorwiegend Pullis, aber irgendwann reichen die einfachen Projekte nicht mehr aus und man möchte sich weiter entwickeln. So ist es zumindest mir ergangen. Schon länger begeistern mich die wildesten Variationen von T-Shirts und Pullis nicht mehr. Mit Röcken und Kleidern kann ich nicht so viel anfangen, ich bin mehr der Jeans-Typ. Davon habe ich aber nie mehr als 3 halbwegs passende im Schrank obwohl sie tagtäglich im Einsatz sind. Es ist nämlich verdammt schwierig eine gut sitzende Jeans zu finden – Ich habe jedes Mal an die 20 verschiedene Hosen an, wenn ich Nachschub brauche und dann sitzt die Beste meistens auch nur so mäßig. Was liegt da also näher als die Jeans selber zu nähen.

Schnittmuster suchen – Die Qual der Wahl

Ich hab mich also durch den Wald der Schnittmuster gewühlt und so einiges zu Tage befördert. Viele namhafte Anbieter sind auf den Jeans-Trend aufgesprungen. Closet Case Patterns hat mit der Ginger Jeans und der wahnsinnig guten Dokumentation des Schnitts extrem vorgelegt aber auch unter den deutschen Anbietern sind viele Schnitt wie z.B. die Skinnyjeans von Sewera, die My Denim Jeans von Muckelie oder die Skinny Fit Jeans von The Couture  zu finden. Wenn die fehlende Anleitung und die französische Sprache nicht stört können sogar die kostenlosen Schnitte 201 und 202 vom Jeanshersteller 1083 genutzt werden.

Ich hab im Schnäppchenfieber bei einer Makerist-Aktion zugeschlagen und die Schnitte von Muckelie und The Couture ergattert. Die My Denim Jeans von Muckelie ist für festere und die Skinny Fit Jeans für elastische Jeansstoffe ausgelegt. Das hat sich auch beim Kleben und Ausschneiden der Schnitte gezeigt, denn die My Denim Jeans ist deutlich größer, soll ja aber auch so, schließlich ist das eine Regular Fit Jeans und keine Skinny (Findet ihr die Namen auch immer so komisch? Regular, Straight, Skinny, Super Skinny und am besten noch gemixt…) Genäht hab ich dann die My Denim Jeans, weil ich selten in Skinny passe aufgrund meiner doch recht ausgeprägten Reiterschenkel und -waden. Außerdem mag ich es nicht so gerne, wenn eine Hose knalleng ist – ein bisschen Platz für das Mittagessen darf schon sein.

Aller Anfang ist schwer

Ich hab mich gefühlt ewig davor gedrückt mit der Jeans anzufangen, ist ja auch teuer, so ein Projekt. Knappe 2m Jeansstoff, Baumwollstoff für die Taschen, Cordonettegarn, Jeansknopf und Nieten, da kommt ganz schön was zusammen. Irgendwann hab ich mich dann doch aufgerafft und mich rangetraut und das nächste Hindernis hat direkt hinter der nächsten Ecke gelauert.

Schneiden, Stecken, Nähen und das Ganze von vorn

Beim selber nähen ist das ja immer so eine Sache mit der Größe, normalerweise komm ich ganz gut hin mit ausmessen und den passenden Wert aus der Größentabelle nehmen aber bei dieser Hose war die Probehose in 42 um einiges zu groß. Also das Ganze von vorn und eine in 38 genäht, aus dem allerbesten Ikea Bomull – sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Naja fast, ein Paar Änderungen musste ich trotzdem noch vornehmen. Leider war die Anleitung zum Anpassen irgendwie eher dürftig. An dieser Stelle hab ich mich dann schon ein bisschen geärgert nicht ein kleines bisschen mehr Geld in die Hand genommen zu haben und die Ginger Jeans zu kaufen, die hat nämlich eine tolle Anleitung zum Anpassen und sogar ein Sewalong nach dem ich mich dann doch gerichtet hab. Übrigens kommt man beim Nähen einer Jeans nie-niemals-nicht daran vorbei die Hose an den eigenen Körper anzupassen. Jeder Stoff verhält sich anders, das ist nunmal leider so, deshalb wird man auch bei der 5. Jeans noch Änderungen vornehmen müssen.

Genau das hab ich natürlich nicht bedacht. Mein Jeansstoff ist ziemlich gut dehnbar und dass die My Denim Jeans eigentlich für einen wenig bis gar nicht elastischen Jeansstoff gemacht ist hatte ich auch kurzzeitig verdrängt. Festgestellt hab ich das natürlich erst nachdem ich schon feinsäuberlich alle Nähte mit schönstem türkisfarbenen Cordonettegarn doppelt abgesteppt hatte und mich super darüber gefreut hab, wie schön doch meine Jeans geworden ist. Tja, da hab ich mich zu früh gefreut, nix mit tolle Passform. Also wurde aufgetrennt und gesteckt und genäht und das wieder und wieder bis ein passables Ergebnis rauskam.

In meiner neuen Jeans fühl ich mich pudelwohl
Bei eisigen Temperaturen (seht ihr die Eisschollen auf dem Wasser?) hab ich meine Jeans ausgeführt
Der Kampf mit der Stoffdicke

Am Meisten habe ich tatsächlich beim Annähen der Gürtelschlaufen geschwitzt – kein Wunder bei 10 Lagen Jeansstoff. Mit dem dicken Cordonettegarn war das Annähen mit einem schmalen Zickzack, wie man es von gekauften Jeans kennt, absolut unmöglich. Auch das Handrad nutzen hat nichts gebracht, auf der Unterseite der Naht hat sich trotzdem ein undurchdringliches Fadenknäul gebildet. Schlussendlich hab ich die Fadenspannung gelockert und mit normalem Garn im Gradstich genäht. Das Rückwärtsnähen hab ich komplett vermieden indem ich den Stoff immer wieder gedreht hab.

Hier sieht man die schönen Ziernähte aber auch die Passformfehler, die ich gemacht hab.

So richtig perfekt ist die Jeans aber trotzdem noch nicht geworden. Sie ist immer noch ein kleines bisschen zu groß und wirft deshalb unterm Po Falten. Ich kann die Hose leider auch nicht ohne Gürtel tragen weil sie rutscht. Die Position der Taschen ist auch noch nicht so ganz ideal. Hier hab ich die Taschen aufgrund der Optik aber so ausgerichtet, dass die Ziernaht direkt in die Sattelnaht übergeht. Außerdem wandert die Hose beim Sitzen an den Waden hoch, aber rutscht nicht wieder nach unten.

Nichts desto Trotz bin ich stolz wie Bolle auf meine erste selbst genäht Jeans. Die Passform kann absolut mit gekauften Hosen mithalten, auch wenn nach Oben immer noch Luft ist. Die Hose ist mein liebstes Beinkleid und findet trotz absolut miserabler Stoffqualität selten den Weg in den Schrank.

Besonders stolz bin ich auf die kleinen Details.

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