Ankerkleid “Toni”

Selten hab ich so viele Komplimente für ein selbst genähtes Kleidungsstück bekommen wie für meine neue “Toni” und das obwohl ich quasi nur noch in Eigenkreationen herum laufe. Einziger Mangel: der Ausschnitt wellt sich ein kleines bisschen, da hätte ich mal lieber selbst zum Maßband greifen und nicht die Tabelle aus der Schnittanleitung nehmen sollen.

Toni nähen

Milchmonster Toni nähen

Das Schnittmuster ist meiner Meinung nach ein echter Figurschmeichler und sehr bequem, ich mag es gar nicht mehr ausziehen. Ich hab eine Größe 38 genäht, obwohl laut Maßtabelle [meine Maße: 88-73-99] vermutlich auch eine 36 gepasst hätte, und das Rockteil unten um gut 10cm verlängert, weil ich mit meinen 1,76m ja doch recht groß bin.

Schnittmuster:  Raglankleid Toni von Milchmonster
Stoffverbrauch: 1,70m bei Größe 38 (10cm verlängert)

Und damit geht es jetzt zum allerersten Mal zum Memademittwoch und zu After Work Sewing.

Näh-Nachhilfe bei meiner Schwester

Die Overlock und ich: ein holpriger Start

Beim Nähen bin ich absoluter Autodidakt. Ich habe nie einen Nähkurs besucht – dafür bin ich viel zu rebellisch! Ich lasse mir nicht gern sagen, was ich zu tun und zu lassen habe und wenn ich nur durch Fehler lerne, dann ist es eben so. Aber manchmal ist es gar nicht soooo schlimm, jemanden zu fragen, wenn man mal nicht mehr weiter weiß. So wie ich mit meiner Overlock-Maschine: Eine SINGER Overlock 14SH754.

Die besitze ich bereits seit über einem Jahr. Von Mutti zu Weihnachten bekommen und mich tierisch gefreut, bis ich sie ausgepackt, mühselig eingefädelt und die ersten Stiche genäht habe. Denn egal, wie sehr ich an den Rädern herumstellte, das Nahtbild war einfach nicht schön und absolut ungleichmäßig. Und das blieb nach endloser Google-Suche auch so, ich war wirklich genervt, denn die Erfahrungsberichte über die Singer Overlock, die es ja bei Lidl zum Supersonderangebot gab und die deshalb ja überhaupt keine gute Qualität haben könnte, häuften sich. Denn Singer wurde aufgekauft und hat nicht mehr die Qualität von damals… Letztlich habe ich die Maschine eingeschickt, nach einiger Zeit zurück bekommen – und danach nicht wieder angemacht. Ich hatte einfach überhaupt keine Lust auf ein weiteres Frustrationserlebnis.

Antje macht das eben

Meine Schwester hat eine ganze andere Einstellung zu Maschinen als ich. Ich habe Respekt, sie ist neugierig. Ihre hat sie letztens einfach aufgeschraubt, statt sie zur Wartung zu bringen – Ingenieurin eben. Und als sie angeboten hat, sich meine Overlock anzusehen, habe ich zugesagt und die Nähmaschine beim nächsten Besuch im Norden in meine Koffer gepackt.
Es hat nicht lange gedauert, bis Antje das Ding zum Laufen gebracht hat. Mit wunderschönem Stichbild. Hurra!

Eine Stunde Näh-Nachhilfe, bitte!

Danach fing die Nähstunde an. Für dieses Projekt habe ich mir einen Cardigan ausgesucht, den ich so ähnlich vom britischen Label Boden gesehen habe. Mit mintgrünen Streifen und rot abgesetzter Knopfleiste. Und das Lernen fing schon beim Zuschnitt an, denn Antje macht das ganz anders als ich. Sie steckt die Schnittmusterteile sorgfältigst fest, während ich sie auf dem Stoff nochmal abpause. Und sie hat darauf bestanden, dass ich es genau somache wie sie. Für jemanden, der so ungeduldig ist wie ich, war das eine harte Geduldsprobe! Bei den Streifen habe ich penibel darauf geachtet, dass alles aufeinander passt – schließlich hat meine Schwester mir genau auf die Finger geguckt! Aber es hat sich gelohnt.

Streifen richtig zuschneiden
Antje schneidet einen Ärmel für mich zu, nachdem sie mir erklärt hat, dass der Bruch immer in Richtung des Fadenlaufs gelegt wird. Ach so ist das…

Auch beim Nägen hat Antje mir ihre Tricks gezeigt. Statt Nadeln benutzt sie WonderClips, und wenn diese nicht zur Hand sind, tun es auch Büro-Clips. Sicher fünfzig Mal hat sie mir den Stoff unter dem Näh-Füßchen zurecht gezuppelt, damit er keine Falten schlägt (vielleicht wäre es auch einfach hilfreich, festeren Baumwolljersey zu benutzen und nicht das ultra dünne Viskose-Mischgewebe, aber man braucht schließlich auch Herausforderungen, haha).

Cardigan Maja nähen Streifen
So gut wie alle Streifen passen aufeinander und die Nähte sehen toll aus. Ich bin begeistert!

Den Schnitt haben wir leicht verändert. Statt den Halsausschnitt mit Jersey wie Schrägband einzufassen, haben wir ein Bündchen dran gemacht. Auch unten haben wir ein Bündchen hinzugefügt. Das hätten wir tun sollen, ehe die Knopfleisten angenäht wurden, aber was solls. Was ich am Schnitt schade fand, ist, dass er so klein ausfällt. Bei gekaufter Kleidung habe ich Größe 34. Den Cardigan habe ich in Größe 38 zugeschnitten und er sitzt trotzdem hauteng.

Den Rest mach ich alleine

Im nächsten Schritt wird gebügelt, Bündchen abgesteppt und dann beim großen Finale Knöpfe und Knopflöcher genäht! Ich bin gespannt, wie das Endergebnis aussehen wird.

Schnitt: Cardigan “Maja” vom Kreativlabor Berlin
Stoff: ca 1,3 m Viscose-Jersey von eBay, Rest roter Jersey von Karstadt

Es geht der Bluse an den Kragen!

Bluse = Business?

Früher habe ich so gut wie nie Blusen getragen. Ich fand immer, ich sehe damit verkleidet aus – ein bisschen wie Business-Barbie. Inzwischen arbeite ich ja auch richtig und finde es gar nicht mehr so schlimm, wie Business-Barbie auszusehen. So ein professioneller erster Eindruck kann schließlich auch etwas Gutes sein. Trotzdem wird man die klassische weiße Bluse nicht in meinem Kleiderschrank finden. Stattdessen gibt’s Punkte, Streifen – und inzwischen auch 1,5 selbstgenähte Modelle!

Hallo, Mimi!

Ich mag die Schnitte von Tilly and the Buttons, nähe mich durch ihr Buch und dabei auch die Bluse “Mimi”. Das war für mich bisher das anspruchsvollste Projekt. Schließlich hatte ich noch nie zuvor Knopflöcher genäht! Und auch keine Ahnung, wo man bei meiner Nähmaschine die Knopflochautomatik findet oder ob es da überhaupt eine gibt (ich nähe auf einer alten Singer Samba 40, die mein Papa mal meiner Mama geschenkt und sie dann mir vermacht hat. Romantisch, oder?) Dazu habe ich das erste Mal richtig teuren Stoff vernäht. Entgegen meiner sonstigen Art bin ich also alles ganz, ganz ruhig angegangen und nach einiger Friemelei kann sich das Endergebnis sehen lassen: Den Kragen und die Ärmelbündchen habe ich in unifarbener dunkelblauer Baumwolle genäht und dazu passend auch Knöpfe bezogen.

Mimi Tilly and the Buttons dunkelblau Streifen Bluse
Sogar die Streifen passen aufeinander.
Kragen Bluse Mimi Tilly and the Buttons
Innen sieht’s nicht ganz so hübsch aus. Ich hoffe, mein Anker-Label lenkt davon ab…
Mimimi statt Mimi

Dieses Erfolgserlebnis hätte ich mit Bluse 2 gern einfach wiederholt. Aber “Mimi” kann auch eine echte Zicke sein –  eher eine “Mimimimimi”. Als Stoff habe ich einen sehr günstiges, türkisfarbenes Mischgewebe verwendet, und so fingen die Probleme bereits beim Zuschnitt an – und das, obwohl ich extra gebügelt hatte. Frechheit. Der Stoff war rutschig ohne Ende und knitterte sofort wieder, was exaktes Zuschneiden fast unmöglich machte. Außerdem hatte ich Extrawünsche: Statt des tiefen Ausschnitts wollte ich einen, der nicht ganz so viel preisgibt und dazu dann auch gleich einen anderen Kragen. Varianten des Kragens seien nicht schwer, steht in dem Buch. Haha, von wegen. Eine besonders gute Idee war es, den Bubikragen aus einem anderen Schnittmuster (1 Schnitt, 10 Kleider von Laura Hertel) einfach zu übernehmen und so halb an das Mimi-Schnittmuster anzupassen. Im Endeffekt hat nichts zusammen- oder aneinander gepasst, so dass ich froh war, dass ich noch genug Stoff übrig hatte, um die Vorderteile ganz neu zuzuschneiden.

Dann die Kragenteile selbst – ich habe alle Anfängerfehler mitgenommen, weil ich gedanklich schon zwei Schritte weiter war. Das Bügeleisen fast ruiniert, weil die falsche Seite des Bügelvlieses oben lag und dann drei gleiche und nur ein spiegelverkehrtes Teil zugeschnitten… so ging es fast den ganzen Nachmittag weiter.

Aber anstatt alles wütend in den Mülleimer zu hauen, habe ich mir ein Hörspiel angemacht und leicht angesäuert weitergeschneidert. Mit viel Geschummel hat es doch noch einigermaßen hingehauen. Ich muss alles noch ordentlich bügeln, aber dann ist der Bubikragen fertig. Und damit auch schon eine ganze halbe Bluse.

Bluse Mimi Tilly and the Buttons türkis
Hier sieht man schön, wie rutschig der Stoff ist. Die Ärmel fehlen noch.
Das Elend von nah. Hat da etwa jemand vergessen, den Beleg zu versäubern?

Schnitt: Bluse “Mimi” aus Tilly Walnes: Liebe auf den ersten Stich

Stoff Mimi 1: 2 m Popeline von Cotton and Steel, gekauft bei Fadenwerk in Kiel.  Stoff Mimi 2: 2 m türkises Mischgewebe, gekauft bei Karstadt.

Selbstversuch: T-Shirt auf Maß – Ob das gut geht?

Ich finde ja, in den klassischen T-Shirt-Schnittmustern (oder auch Pullover) sind irgendwie immer komische Passformen angenommen. Da landet man anhand von Maßtabellen in mehreren Größen oder muss auf einmal 2 Nummern größer nähen als seine Kaufgröße. Hier verlängern, da eine Nummer breiter, dort eine enger…

Wie man sieht, gibt es immer und überall kleinere Probleme mit der Passform und da dachte ich mir, wenn andere das können, warum sollte ich das nicht auch hinbekommen. Tante Google angeschmissen und nach gefühlt ewigem Suchen auch was gefunden. Der Klassiker bei der Konstruktion von Schnittmustern sind Müller und Sohn, die Bücher kosten allerdings um die 100€ und das gibt mein studentischer Geldbeutel trotz Nebenjob im Stoffladen nicht mal eben so her. Weitere Standardwerke sind Hofenbitzer und Gilewska. Das erste Buch von Teresa Gilewska hab ich mir bestellt und bin gelinde gesagt enttäuscht. Das Buch enthält zwar viele Grundschnitte aber ich hatte gehofft, dass auch darauf eingegangen wird, wie man diese auf verschiedene Materialien umrechnet und das fehlt irgendwie. Ist halt doch eher ein Nachschlagewerk und nicht unbedingt für die Hobbyschneiderin, die nur ein paar Shirts auf Maß zusammenbasteln will, geeignet.

Zum Glück bietet das Internet ja trotzdem reichlich Möglichkeiten, sich das nötige Wissen zusammen zu pfuschen. Z.B. hab ich einen ganz tollen Beitrag von 2013 in der “Nähfabrik” gefunden, in dem ein T-Shirt Schnitt nach Müller und Sohn konstruiert wird *klick*. Das Ganze hab ich dann auch gleich in Valentina umgesetzt, ein OpenSource CAD Programm extra zum Entwurf von Schnittmustern, und natürlich schnell mal auf meiner Overlock zusammengenäht. Aber bitte nicht auf den hässlichen Stoff achten, den hab ich extra zum Probenähen von solchen spontanen Schnapsideen.

Vorne sitzt das Shirt super gut und auch unter den Armen endlich mal passend, aber hinten ist viel zu viel Stoff, dafür, dass es eng anliegen soll. Meine liebe Freundin, Tante Google, hat mir geflüstert, dass mein Hohlkreuz das Problem ist. Ich müsste einen waagerechten Abnäher auf Höhe der Taille anbringen um Herr über den überflüssigen Stoff zu werden, allerdings verläuft die hintere Mitte dann nicht mehr in einer senkrechten Linie und ich müsste das Rückenteil zweigeteilt nähen. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Also ist weitersuchen angesagt.

Raglan Sweatshirt im Naketano-Stil

Es soll ja Leute geben, die sich erst genau überlegen, welchen Schnitt sie benutzen möchten und sich danach erst Gedanken um den Stoff machen. Bei mir ist es definitiv andersherum. Ich verliebe mich erst in die Stoffe und überlege dann, wie ich sie vernähen möchte. Ihr könnt euch denken, dass das zu einem recht ansehnlichen “Stash” führt und manche Stücke Monate warten müssen, bis ich das richtige Schnittmuster dafür ausgesucht habe.

Zu viel Muster oder gerade genug?

Bei dem maritimen Interlock-Jersey hingegen ging es ganz schnell. Auf dem Holland-Stoffmarkt im Bochum habe ich ihn unheimlich günstig erstanden.  Nach ein wenig Gegrübel, ob mir das Muster nicht doch zu kindlich ist, entschied ich mich für ein klares “Nein”. Als waschechtes Küstenkind kann man maritime Muster tragen. Basta. Und so wusste ich schon zuhause, dass ein muggeliges Sweatshirt daraus werden sollte. Mit Raglan-Ärmeln! Den Schnitt fand ich im Buch “Nähen macht glücklich” von Karin Ziegler. Hier war noch eine Kapuze vorgesehen, die ich weggelassen habe. Stattdessen habe ich den Ausschnitt mit einem Bündchen eingefasst. Die Regel zum Ausmessen der Länge bei Bündchen hat mir meine Schwester erklärt: Umfang x 0,8 bei Jersey, Umfang bei 0,7 bei Bündchen-Stoff. Aha. Wieder was gelernt. Danke! Für alle Bündchen habe ich die Rückseite des Jerseys benutzt.

Zugeschnitten habe ich diesmal ganz brav und ordentlich auf dem Küchentisch, und die Akuratesse hat sich gelohnt: Das Nähen ging mir leicht von der Hand. Der Schnitt war jedoch zu groß –  die Schnitte haben Zwischengrößen S/M  und ich bin dann doch schmaler. Das Problem habe ich pragmatisch gelöst, indem ich einfach mehr Nahtzugabe genommen habe.  Ha!

Fertig! Wer genau hinsieht, kann übrigens erkennen, dass ich nicht gerne Nähte versäubere. Was solls… mir gefällts trotzdem!

Das Sweatshirt erinnert mich an den Style der Marke Naketano und ich wurde auch bereits gefragt, ob der Pulli gekauft sei. Das ist das schönste Kompliment. Dazu ist er unheimlich kuschelig.

Stoff: 2 m Interlock Jersey vom Stoffmarkt Holland in Bochum

Schnitt: Kapuzenpulli mit Wendeoption von Karin Ziegler aus “Nähen macht glücklich”.