Selbstversuch: T-Shirt auf Maß – Ob das gut geht?

Ich finde ja, in den klassischen T-Shirt-Schnittmustern (oder auch Pullover) sind irgendwie immer komische Passformen angenommen. Da landet man anhand von Maßtabellen in mehreren Größen oder muss auf einmal 2 Nummern größer nähen als seine Kaufgröße. Hier verlängern, da eine Nummer breiter, dort eine enger…

Wie man sieht, gibt es immer und überall kleinere Probleme mit der Passform und da dachte ich mir, wenn andere das können, warum sollte ich das nicht auch hinbekommen. Tante Google angeschmissen und nach gefühlt ewigem Suchen auch was gefunden. Der Klassiker bei der Konstruktion von Schnittmustern sind Müller und Sohn, die Bücher kosten allerdings um die 100€ und das gibt mein studentischer Geldbeutel trotz Nebenjob im Stoffladen nicht mal eben so her. Weitere Standardwerke sind Hofenbitzer und Gilewska. Das erste Buch von Teresa Gilewska hab ich mir bestellt und bin gelinde gesagt enttäuscht. Das Buch enthält zwar viele Grundschnitte aber ich hatte gehofft, dass auch darauf eingegangen wird, wie man diese auf verschiedene Materialien umrechnet und das fehlt irgendwie. Ist halt doch eher ein Nachschlagewerk und nicht unbedingt für die Hobbyschneiderin, die nur ein paar Shirts auf Maß zusammenbasteln will, geeignet.

Zum Glück bietet das Internet ja trotzdem reichlich Möglichkeiten, sich das nötige Wissen zusammen zu pfuschen. Z.B. hab ich einen ganz tollen Beitrag von 2013 in der “Nähfabrik” gefunden, in dem ein T-Shirt Schnitt nach Müller und Sohn konstruiert wird *klick*. Das Ganze hab ich dann auch gleich in Valentina umgesetzt, ein OpenSource CAD Programm extra zum Entwurf von Schnittmustern, und natürlich schnell mal auf meiner Overlock zusammengenäht. Aber bitte nicht auf den hässlichen Stoff achten, den hab ich extra zum Probenähen von solchen spontanen Schnapsideen.

Vorne sitzt das Shirt super gut und auch unter den Armen endlich mal passend, aber hinten ist viel zu viel Stoff, dafür, dass es eng anliegen soll. Meine liebe Freundin, Tante Google, hat mir geflüstert, dass mein Hohlkreuz das Problem ist. Ich müsste einen waagerechten Abnäher auf Höhe der Taille anbringen um Herr über den überflüssigen Stoff zu werden, allerdings verläuft die hintere Mitte dann nicht mehr in einer senkrechten Linie und ich müsste das Rückenteil zweigeteilt nähen. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Also ist weitersuchen angesagt.

Raglan Sweatshirt im Naketano-Stil

Es soll ja Leute geben, die sich erst genau überlegen, welchen Schnitt sie benutzen möchten und sich danach erst Gedanken um den Stoff machen. Bei mir ist es definitiv andersherum. Ich verliebe mich erst in die Stoffe und überlege dann, wie ich sie vernähen möchte. Ihr könnt euch denken, dass das zu einem recht ansehnlichen “Stash” führt und manche Stücke Monate warten müssen, bis ich das richtige Schnittmuster dafür ausgesucht habe.

Zu viel Muster oder gerade genug?

Bei dem maritimen Interlock-Jersey hingegen ging es ganz schnell. Auf dem Holland-Stoffmarkt im Bochum habe ich ihn unheimlich günstig erstanden.  Nach ein wenig Gegrübel, ob mir das Muster nicht doch zu kindlich ist, entschied ich mich für ein klares “Nein”. Als waschechtes Küstenkind kann man maritime Muster tragen. Basta. Und so wusste ich schon zuhause, dass ein muggeliges Sweatshirt daraus werden sollte. Mit Raglan-Ärmeln! Den Schnitt fand ich im Buch “Nähen macht glücklich” von Karin Ziegler. Hier war noch eine Kapuze vorgesehen, die ich weggelassen habe. Stattdessen habe ich den Ausschnitt mit einem Bündchen eingefasst. Die Regel zum Ausmessen der Länge bei Bündchen hat mir meine Schwester erklärt: Umfang x 0,8 bei Jersey, Umfang bei 0,7 bei Bündchen-Stoff. Aha. Wieder was gelernt. Danke! Für alle Bündchen habe ich die Rückseite des Jerseys benutzt.

Zugeschnitten habe ich diesmal ganz brav und ordentlich auf dem Küchentisch, und die Akuratesse hat sich gelohnt: Das Nähen ging mir leicht von der Hand. Der Schnitt war jedoch zu groß –  die Schnitte haben Zwischengrößen S/M  und ich bin dann doch schmaler. Das Problem habe ich pragmatisch gelöst, indem ich einfach mehr Nahtzugabe genommen habe.  Ha!

Fertig! Wer genau hinsieht, kann übrigens erkennen, dass ich nicht gerne Nähte versäubere. Was solls… mir gefällts trotzdem!

Das Sweatshirt erinnert mich an den Style der Marke Naketano und ich wurde auch bereits gefragt, ob der Pulli gekauft sei. Das ist das schönste Kompliment. Dazu ist er unheimlich kuschelig.

Stoff: 2 m Interlock Jersey vom Stoffmarkt Holland in Bochum

Schnitt: Kapuzenpulli mit Wendeoption von Karin Ziegler aus “Nähen macht glücklich”.