Cover-Test: Gritzner Coverstyle 4850

Nach ewig langem hin und her hab ich mich jetzt doch für die Anschaffung einer Cover entschieden. Geworden ist es die Gritzner Coverstyle 4850. Leider gibt es zu dieser Maschine wirklich wenige hilfreiche Rezensionen aber das möchte ich heute ändern.

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* Bei dieser Rezension handelt es sich um meine eigene objektive Meinung *

Warum ich mich für die Cover von Gritzner entschieden habe

Ich habe wirklich lange überlegt ob ich eine Cover haben möchte und als der Entschluss dazu gefasst war konnte ich mich eine kleine Ewigkeit nicht entscheiden, welche es denn nun sein sollte. Möglichst wenig Geld ausgeben und dafür eine Nähmaschine bekommen, die all die typischen Probleme nicht mit sich bringt, lässt sich einfach nicht gut vereinen.

Ich war tatsächlich sogar im Nähgeschäft in Ingolstadt und habe mich beraten lassen. Naja ich habe versucht mich beraten zu lassen, aber die Dame war nur ansatzweise kooperativ und die Vorführmaschinen sowohl falsch eingefädelt, als auch völlig verstellt. Eine der vier Covermodelle wollte sie mir nicht einmal vorführen – die würde eh Stiche auslassen. Letztendlich wollte man mir eh nur die BLCS (Babylock Coverstitch) verkaufen, bei allem anderen müsste ich halt Kompromisse eingehen. Angesehen hab ich mir dann also die BLCS, die Easycover von Elna und die Juki MCS-1500. Und was soll ich sagen, die BLCS hat mir am wenigsten gefallen, das Teil ist dermaßen laut und klingt als hätte man eine Maschine aus dem Vorjahrhundert vor sich. Ganz Fehlerfrei lief der “Ferrari” unter den Covermaschinen dann trotz diverser Versuche der Verkäuferin trotzdem nicht – und das für schlappe 1300€ – nein Danke, da krieg ich ja drei für.

Obwohl ich die Elna ziemlich gut fand – Lautstärke gut, großer Durchlass, langsames Annähen möglich, keine Aussetzer beim Stoppen mit Nadel oben und lediglich eine leichte Verkürzung der Stichlänge beim Nähen über 6 anstelle von 2 Lagen – war mir das gute Stück einfach zu teuer. In Frage kamen bei einem Budget von 500€ nur noch zwei Modelle: Die Janome Cover Pro 2000 CPX und die Gritzner Coverstyle 4850. Schlussendlich hat der Preis und das Argument meines Liebsten, dass die Technik dahinter ja die gleiche wäre, zu der Gritzner geführt und was soll ich sagen – ich bereue nichts.

Frisch aus dem Karton geschlüpft – meine neue Gritzner Cover kam fix und fertig eingefädelt und eingestellt bei mir an.
Ein Paar Fakten zur Gritzner Coverstyle 4850

Die Gritzner Coverstyle gehört mit einem Preis von aktuell rund 350€ zu den günstigsten Covermaschinen. Mit dabei sind vier Konen Madeira Aerolock, ein Klarsichtfuß und das Handbuch “Meine Coverlock”. Eigentlich müsste es aber Coverstitch heißen – eine Coverlock ist nämlich Cover und Overlock in einem, also eine Kombimaschine. Tatsächlich steckt die Gritzner Coverstyle sogar in der Hülle einer solchen Kombimaschine, der Pfaff Coverstyle 4850. Der Name hat sich kaum verändert. Die Maschine hat einen großen Stoffdurchlass, den man bei anderen Modellen aus dem Hochpreissegment vergeblichst suchen kann. Einen Freiarm hat sie leider nicht, klitzekleine Nähstücke sollte man also besser noch vor dem finalen Zusammennähen mit Covernähten versehen.

Ein Hindernisparcours für die Cover

Covermaschinen sind berüchtigt dafür richtige Diven zu sein. Garnabrisse, Fehlstiche oder ein unschönes Stichbild können mal mehr mal weniger oft vorkommen. Das ist sowohl von Hersteller zu Hersteller als auch von Maschine zu Maschine unterschiedlich und tritt in allen Preisspannen auf. Ich hab so viel über das Vorkommen dieser Aussetzer gelesen, dass die Angst davor, nur Probleme zu haben, mich beinahe davon abgehalten hätte mir eine Cover zuzulegen.

Meine neue Cover möchte ich natürlich ausgiebig auf Herz und Nieren testen um ein gerechtfertigtes Urteil treffen zu können. Nachfolgend hab ich einige typische Anwendungsfälle, die zum Teil zu Problemen mit Fehlstichen oder Fadenabrissen führen können, aufgelistet. Sozusagen ein richtiger Hindernisparcours für die Cover.

1. Säume nähen
Was eine Cover auf jeden Fall können muss, sind elastische Saumabschlüsse. In diesem Fall sollte eine fehlerfreie Naht auf zwei Lagen Jersey oder Sweat entstehen können, ohne dass ich viel an den Einstellungen herumdoktern muss.

Kurzer Hand hab ich mir gleich einen Jerseyrest geschnappt und drauflos genäht. Auch hier sehen die Nähte richtig gut und gleichmäßig aus. Einziges Manko, am Nahtbeginn lässt sie immer ein Paar Stiche aus – damit kann man aber leben.

Erste Probenähte mit meiner neuen Cover. Die kleinen Pfeile markieren Fehlstiche zu Beginn der Naht. In der zweiten und dritten Reihe von Oben hab ich mehrfach angehalten und wieder losgenäht.

Manche Covermaschinen haben ein Problem damit, wenn man mitten in der Naht stoppt und die Nadeln nicht wieder im Stoff versenkt, ehe man weiter näht. Bei meiner Cover kann ich das nicht bestätigen.

Die Cover kann vier verschiedene Sticharten. Von oben nach unten: Die 3-Fäden-Covernaht, die breite 2-Fäden-Covernaht, die schmale 2-Fäden-Covernaht und den Kettstich.
Auch auf der Greiferseite sehen die Stiche super aus. Das Geradeausnähen muss ich aber noch ein bisschen üben.

2. Über Nahtkreuzungen covern
Manchmal möchte man zur Zierde zwei Covernähte überkreuzen und auch das sollte die Cover ohne zicken machen.

Die Gritzner Coverstyle lässt sich durch bereits bestehende Covernähte nicht beeindrucken.

3. Über eine Overlocknaht covern
Eine Cover sollte am Saum natürlich auch über die Seitennähte covern können ohne an der dicken Nahtstelle (2 Lagen Stoff + 2 Overlocknähte) Stiche auszulassen oder die Stichlänge zu verändern.

Bei zwei Overlocknähten übereinander hat die Gritzner dann schon eher Schwierigkeiten. Man muss schon sehr darauf achten, dass der Stoff nicht vor dem Nähfüßchen hergeschoben wird, ggf. auch mal kurz das Füßchen lüften damit sich nichts verzieht. Außerdem werden die Stiche auf der Overlocknaht gerne deutlich kürzer, Fehlstiche kamen bei mir aber nicht auf.

Beim quer über doppelte Ovinähte covern sieht das Stichbild nicht immer ideal aus. Mit ein bisschen Übung werden die Resultate aber deutlich besser.

Es macht übrigens einen Unterschied in welche Richtung die doppelte Ovinaht liegt. Die erste Ovinaht liegt so, dass die Nahtzugabe zuerst übernäht wird, die zweite genau andersrum. Wie man auf dem Foto ganz gut sehen kann, kommt es beider zweiten Ovinaht mit NZ vom Nähfuß weg zu Faltenbildung. Bei der roten Naht hab ich die Ovinäht besser mit den Fingern fixiert (etwas Zug zur Seite und leicht mitschieben) und die Stichlänge sieht schon viel gleichmäßiger aus.

3. Auf einer Overlocknaht covern
Covernähte sieht man neben dem Saum auch oft an Ausschnitten oder Teilungsnähten. Typischerweise wird erst der Stoff mit einer Overlocknaht verbunden und anschließend auf dieser Naht gecovert. Meine Gritzner hat damit überhaupt kein Problem. Keine Veränderung der Stichlänge, keine Fehlstiche, alles supi.

Dummerweise hab ich total vergessen von der Covernaht direkt auf der Overlocknaht Bilder zu machen.

4. Schlechte Garnqualität
Wenn man sich bei den günstigen Covermaschinen umhört, kommt das Thema auch immer wieder zu Fehlstichen und Co, wenn Garn mit weniger guter Qualität benutzt wird. Da ich zufälligerweise Overlockgarn von Lidl und Tedi da habe – meine W6 Overlock nimmt das nämlich ganz gerne – wollte ich das auch gleich mal ausprobieren.

Markengarn vs. Billigfaden auf Sweat. Madeira Aerolock in Weiß, Lidl Overlockgarn in Rot und Tedi in Türkis.
Auch die Greiferseite kann sich auf Sweat durchaus sehen lassen. 

Mit dem mitgelieferten Madeira Aerolock läuft meine Gritzner wie am Schnürchen, sowohl auf Baumwoll- und Viskosejersey als auch auf Sweat. Mangels mehr als 2 Garnkonen pro Farbe hab ich die anderen Garne nur mit zwei Nadeln getestet und das Madeira-Garn im Greifer gelassen. Auf dem Baumwolljersey mag die Gritzner das Billiggarn nicht ganz so gerne. Die Schlaufen auf der Unterseite sind zu locker und ein wenig ungleichmäßig, auf Sweat sehen die Nähte aber aus wie geleckt. Einen einzelnen Fehlstich hab ich mit dem Garn vom Tedi leider auch produziert aber ich habe sehr viel schlimmeres als ein etwas lasches Stichbild erwartet.

Covernähte mit unterschiedlichem Garn auf Baumwolljersey. Oben Madeira Aerolock in Weiß, Tedi Overlockgarn in Türkis und Lidl Overlockgarn in Rot. Der Pfeil markiert einen Fehlstich.
Oben hui, unten … naja nennen wir es mal verbesserungsfähig. Auch mit ein bisschen herumspielen an der Fadenspannung des zweiten Fadens zeigt sich beim Tedigarn keine Verbesserung.

Günstiges Garn ist also nicht immer schlecht, um Ärger zu vermeiden lohnt es sich aber ein Paar Probenähte zu machen. Übrigens muss man nicht von jeder Farbe gleich vier Konen kaufen, die Nadeln brauchen lange nicht so viel Garn wie der Greifer und theoretisch kann man sich dafür auch Garn auf Unterfadenspulen umspulen, so lang ist eine Covernaht ja in der Regel nicht.

Das erste Nähstück

Als erstes richtiges Nähprojekt für meine neue Cover hab ich mal wieder eine Boxershorts für meinen Freund ausgesucht, die werden immer gebraucht. Der Schnitt ist mein eigener und ist in Größe M auch kostenlos verfügbar. Die Buxe macht sich übrigens super als Inhalt für den Adventskalender oder zum Nikolaus.

Der erste Arbeitseinsatz für meine neue Cover waren die Beinabschlüsse von der Piratenbuxe.
Entgegen aller Befürchtungen liefert die Gritzner Coverlock 4850 tadellose Covernähte.

Mir sind meiner Meinung nach sogar super Covernähte gelungen. Die Stichlänge ist schön gleichmäßig und bei den Overlocknähten hab ich darauf geachtet die NZ nicht direkt aufeinander zu legen, sondern einen kleinen Einschnitt auf Saumhöhe gemacht und die NZ in verschiedene Richtungen geklappt. Dabei ist mir ein kleines Missgeschick passiert. Ich hab nämlich den Nähfuß angehoben und nicht darauf geachtet, dass die Nadeln im Stoff stecken und deswegen einen einzigen Fehlstich an der Innenbeinnaht. Naja egal – geht nicht weiter auf und an der Stelle sieht das eh keiner.

Ein kleines Missgeschick ist mir leider trotzdem passiert. Ist ja aber noch kein Meister vom Himmel gefallen, oder?
Fazit

Der erste Eindruck der Gritzner Coverstyle 4850 war durchweg gut und ich bin ganz ehrlich gesagt sehr angetan von der Leistung der Maschine, ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie sich so gut macht. Die befürchteten Probleme mit Fehlstichen mitten im Nähstück und Fadenabrissen sind bei mir nicht aufgetreten. Natürlich kann man bei der günstigsten Cover auf dem Markt nicht davon ausgehen, dass sie jeden Anwendungsfall ideal meistert. Die ausgelassenen Stiche am Nahtanfang und eine veränderte Stichlänge beim Nähen über schmale, dicke Stellen, wie doppelte Overlocknähte, sind Dinge mit denen man sich bei dem Preis abfinden muss und die auch bei doppelt so teuren Maschinen nicht ausbleiben. Meiner Meinung nach kann man damit aber ganz gut leben indem man z.B. die ersten Stiche auf einem Stoffrest covert und doppelte Overlocknähte so legt, dass weniger Dicke vorhanden ist.

Die Gritzner ist auch nicht flüsterleise wie die Juki MCS-1500 oder die Elna Easycover. Mit etwa 74 dB bei Fullspeed kann man die Lautstärke eher mit einem Staubsauger oder einer Waschmaschine beim schleudern vergleichen. Sie braucht übrigens zum losnähen immer ein bisschen Bedenkzeit und brummt kurz vor sich hin, da muss man ein wenig aufpassen, dass man das Pedal nicht zu sehr durchdrückt, sonst rast sie los, sobald sie sich dazu entschieden hat.

Alles in Allem biete die Gritzner ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und ich kann sie nur weiter empfehlen.